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25.07.2002

Nörr und Gauweiler: Für Kirch gemeinsam in die Bütt

Insgesamt fünf Anwälte der Kanzleien Nörr Stiefenhofer Lutz und Bub, Gauweiler und Partner haben Ende Juni die Hauptversammlung der Axel Springer Verlag AG genutzt, um schwere Geschütze gegen das Berliner Verlagshaus aufzufahren.Sie forderten Schadensersatz vom Vorstand und Aufsichtsratsmitglied Friede Springer. Die Zusammenarbeit der beiden Münchner Sozietäten entstand jedoch eher zufällig: Sie sind an verschiedenen Fronten für Leo Kirch tätig.

Nörr Stiefenhofer Lutz gilt als Hauskanzlei der Kirch-Gesellschaften und berät diese umfassend in allen wirtschaftsrechtlichen Angelegenheiten. In dieser Funktion, nämlich als Vertreter der Kirch Print-Beteiligungs GmbH, die 40,3 Prozent der Aktien am Springer Verlag hält, liefen die drei Nörr-Anwälte Professor Dr. Ronald Frohne, Dr. Christian Pleister und Dr. Laurenz Wienecke im Turm des Zeitungshauses auf.

Sie argumentierten, die durch Springer ausgeübte Put-Option auf den Verkauf der Pro Sieben Sat.1 AG-Anteile in Höhe von 767 Millionen Euro beeinträchtige das Verlagsergebnis. Denn Vorstand und die Aufsichtsratsmitglieder um Großaktionärin Friede Springer hätten sich nicht auf das Angebot von Kirch eingelassen, den Anteil an Pro Sieben Sat.1 kostengünstig zu erhöhen. Stattdessen habe man am Ausstieg festgehalten und damit billigend in Kauf genommen, im Falle der Kirch-Insolvenz einen Totalausfall des Geldes zu erleiden.

Zudem habe es der Vorstand auf Betreiben Friede Springers darauf angelegt, „den störenden Minderheitsaktionär Leo Kirch loszuwerden und dessen Anteilsbesitz teilweise an genehme Dritte, teilweise in die Hände der gegenwärtigen Mehrheitsaktionärin übergehen zu lassen“, zitiert die FAZ Anwalt Frohne.

Der Auftritt des Frohne-Teams führte laut einem Bericht von Financial Times Deutschland zu Tumulten und Chaos. Er erinnerte damit an die Geschehnisse vor 13 Jahren, als Nörr-Namensgeber Dr. Alfred Stiefenhofer persönlich für Kirch auf einer Springer-Hauptversammlung den Neuwerb von Aktien des Verlags unter spektakulären Umständen bekannt gab.

Die jetzige Teilnahme der Nörr-Anwälte wurde erst durch das Wirken von Bub, Gauweiler und Partner möglich. Die Kanzlei, auf der Springer-Hauptversammlung durch die Partner Professor Dr. Wolf-Rüdiger Bub und Franz Enderle präsent, hatte Kirchs 40-Prozent-Paket Anfang Juni vor dem Zugriff der Deutschen Bank gerettet.

Das Geldinstitut wollte damals die Anteile, an denen es ein Pfandrecht besitzt, verwerten. Dies konnte Kirch jedoch mit Hilfe der Bub-Anwälte verhindern: Sie einigten sich mit der Bank auf einen Vergleich, der vorsah, dass die Aktienrechte noch bis zum 30. August in Händen der Kirch Print-Beteiligungs GmbH verweilen sollten.

Dem Vernehmen nach kam die auf der Hauptversammlung offenbar gewordene Zusammenarbeit der Münchner Kanzleien auf persönlichen Wunsch von Leo Kirch zustande. Sie werde so lange fortgesetzt, wie Kirch dies wolle. Er habe Vertrauen zu beiden, hieß es. (JP)

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