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22.12.2003

Erste Magic Circle-Firms werden zu LLPs

Als erste Magic Circle-Kanzleien wollen sich Clifford Chance und Allen & Overy in Limited Liability Partnerships nach englischem Recht umwandeln. Das bestätigten Dr. Hans-Josef Schneider, deutscher Managing Partner von Clifford Chance, und ein Londoner Sprecher von Allen & Overy. Hintergrund sind mehrere seit längerem bei den Frankfurter Steuerbehörden laufende Anfragen zur steuerlichen Behandlung der LLP in Deutschland, die nach JUVE-Informationen derzeit nach und nach im Sinne der Kanzleien beschieden werden. Als weitere Magic Circle-Kanzleien prüfen außerdem Freshfields Bruckhaus Deringer und Linklaters die LLP-Umwandlung. Bei den Planungen spielen vor allem Haftungsbeschränkungen innerhalb der Partnerschaften eine Rolle. Die meisten US-Kanzleien firmieren bereits als LLP nach US-Recht (JUVE Rechtsmarkt 11/03).Der Zeitpunkt für den Rechtsformwandel ist allerdings sowohl bei Clifford Chance als auch bei Allen & Overy noch offen. Wahrscheinlich wird jedoch zum neuen Geschäftsjahr ab Mai 2004 der Startschuss fallen. Ein Votum der Partnerschaft zum Rechtsformwandel liege noch nicht vor, sagte Allen & Overy-Sprecher Iain Rodger auf JUVE-Nachfrage. Beide Kanzleien wollen weltweit als LLP auftreten. Aufgrund der Doppelstruktur wird bei Clifford Chance nur die Gesamtkanzlei zur englischen LLP, während die angeschlossene deutsche Praxis weiterhin als Partnerschaftsgesellschaft firmiert.
„Die Mitglieder einer LLP können eine aktive Rolle in der Geschäftsentwicklung einer Partnerschaft übernehmen, ohne sich persönlich der Haftung dafür auszusetzen, was andere Partner zu verantworten haben“, erläuterte Rodger die Vorteile der erst 2000 im englischen Recht neu geschaffenen Gesellschaftsform. Damit stelle die LLP eine Kombination aus Kapitalgesellschaft und Partnerschaft dar. Während die Verfassung einer Kanzlei unter dem LLP-Regime weiterhin partnerschaftlich sein könne, sei es dagegen möglich, sie haftungstechnisch wie eine Kapitalgesellschaft zu führen. In der Haftungsbeschränkung, die im Post-Enron-Zeitalter von vitalem Interesse für weltweit agierende Beratungsunternehmen ist, liegt daher auch die wesentliche Attraktivität des Modells.
Geklärt scheint mittlerweile auch der steuerrechtliche Status der LLP in Deutschland. Nach JUVE-Informationen haben nach den Kölnern nun auch die Frankfurter Steuerbehörden erstmals durch verbindliche Auskunft entschieden, die englische LLP steuerlich als Personen- und nicht als Kapitalgesellschaft zu behandeln. Für Allen & Overy geht der deutsche Senior-Partner Dr. Arndt Overlack derzeit entsprechend davon aus, „dass diese Umwandlung keine steuertechnischen Nachteile hat“. (FS/CT)

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