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03.06.2004

Steuercoup: McDermott gewinnt Raupach und Pohl

Die Steuerspezialisten Dr. Dirk Pohl (39) und Prof. Dr. Arndt Raupach (68) wechseln von Raupach & Wollert-Elmendorff zu McDermott, Will & Emery. In München werden ab Juli Pohl als Partner und Raupach als Counsel für die US-Top-10-Sozietät tätig. Ihnen schließen sich mit dem früheren BFH-Richter Prof. Dr. Rüdiger von Groll (67) als Counsel und Gero Burwitz (36) als Associate zwei weitere Steuerrechtler von Raupach an.

McDermott will mit den Neuzugängen an die große Steuertradition der US-Praxis anknüpfen. „Der Zugang dieser hochkarätigen Steuerrechtler bringt uns einen sehr großen Schritt weiter auf unserem Weg, auch in Deutschland in die Spitzengruppe der Steuerkanzleien vorzustoßen“, sagte der Münchner McDermott-Partner Dr. Ralf Eckert.

Zuletzt hatte die US-Kanzlei Ende 2003 mit Dr. Richard Schmidt (38) einen erfahrenen Kölner Steuer-Associate von Freshfields Bruckhaus Deringer für ihren Düsseldorfer Standort als Partner gewonnen.

Über die Motive für ihren Wechsel äußerten sich Pohl und Raupach betont zurückhaltend. „Auf dem Anwaltsmarkt und im Bereich der Big Four-Gesellschaften ist durch Sarbanes/Oxley und die geplanten ähnlichen Regelungen in Deutschland viel geschehen“, sagte Raupach. Pohl ergänzte mit Bezug auf die neue Kanzlei: „Das Konzept von McDermott und unser Berufsverständnis haben vom ersten Gespräch an zusammengepasst. McDermott versteht den Steuerbereich als Kerngeschäft, und einige unserer wichtigsten Mandanten werden von McDermott in den USA steuerlich beraten. Unser Ziel ist es, in Deutschland gemeinsam mit dem bereits bestehenden Team unsere Top-Tier-Marktposition für steuerzentrierte Rechtsberatung noch zu verstärken.“

Bekannte Praxisschwerpunkte des Teams Pohl/Raupach sind die Bereiche internationales Steuerrecht, Steuerprozessführung, Nachfolgeplanung und Non-Profit-Organisationen. Raupach gehört zu den prägenden Akteuren des deutschen Steuerrechts der vergangenen Jahrzehnte. 1970 gründete er gemeinsam mit Dr. Albert Rädler die legendäre Münchner Steuerkanzlei Rädler Raupach (heute Linklaters Oppenhoff & Rädler). Ab 1998 baute Raupach in Allianz mit dem Big Four-Unternehmen Deloitte die multidisziplinäre Kanzlei Raupach & Wollert-Elmendorff auf. Pohl ist seit Jahren der engste Mitarbeiter Raupachs. Er war nach Ansicht von Marktbeobachtern auch designierter Nachfolger als Leiter der Steuergruppe bei Raupach & Wollert-Elmendorff. Im vergangenen Jahr war Raupach aus der Geschäftsführung der Kanzlei ausgeschieden, blieb aber weiter als Counsel tätig.

Bei Raupach & Wollert-Elmendorff äußerte man Bedauern über den Weggang Pohls und Raupachs. „Wir werden aber weiterhin hochwertiges Steuerrecht in der Kanzlei anbieten können“, betonte der Hamburger Gesellschaftsrechtler Matthias Mielke, für Marketing und Kommunikation zuständiger Partner der Kanzlei. Stellvertretend nannte Mielke den Hamburger Steuerechtler Dietmar Völker (43), der bereits als Partner im Raupach-Team bei Oppenhoff & Rädler tätig war und 1998 zu dem Gründungsteam von Raupach & Wollert-Elmendorff gehörte.

Die mit Deloitte assoziierte Kanzlei steht derzeit als letzte der Big Four-Kanzleien in konkreten Verhandlungen über eine Neuausrichtung. International sei dabei eine engere Kooperation vor allem europäischer Deloitte-Kanzleien angestrebt. „Wir waren schon immer die unabhängigste Kanzlei in Deutschland im Bereich der Big Four-Kanzleien“, sagte Mielke. Dieses Konzept habe sich bewährt. Derzeit sind allerdings noch mehrere Gesellschafter-Geschäftsführer von Raupach & Wollert-Elmendorff zugleich Partner bei Deloitte & Touche.

Bezüglich einer Änderung des Kanzleinamens sei man im Gespräch mit Raupach, sagte Mielke. „Wir sehen aber derzeit keine Veranlassung, den Namen zu ändern.“ (Christoph Tillmanns)

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