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01.08.2008

Hertie-Insolvenz: White & Case-Partner Bähr ist vorläufiger Verwalter

Das Amtsgericht Essen hat Ende Juli Dr. Biner Bähr von White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Kaufhauskette Hertie bestellt.Hertie-Kaufhäuser gibt es an 73 Standorten in Deutschland, über 4.000 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Erst im Februar hatte die Firma eine neue Zentrale in Essen-Kettwig bezogen, dort arbeiten 130 Angestellte. Presseberichten zufolge macht Hertie im operativen Geschäft hohe Verluste, diese sollen für das laufende Jahr eine Höhe von 30 Millionen Euro erreicht haben.

In der Krisensituation hat dem Vernehmen nach die Kanzlei Wellensiek eine Zeit lang die Gesellschaft insolvenzrechtlich beraten. Marktbeobachter erwarten einen schwierigen Sanierungsprozess, die mögliche Option einer Sanierung in Eigenverwaltung scheint vom Tisch zu sein. Der Insolvenzverwalter wird von einem Düsseldorfer White & Case-Team unterstützt, zu dem Local Partner Florian Gantenberg sowie die Associates Andreas Kleinschmidt, Dr. Marlene Böhmer und Dr. Bero-Alexander Lau gehören.

2005 hatten zwei Investoren Hertie von Karstadt-Quelle erworben: Dawnay Day zu 85 Prozent und die Unternehmensberatung Hilco. Dawnay Day ist ein verzweigtes Konglomerat von Investmentfirmen mit Beteiligungen an über 250 Unternehmen. Mitte Juli wurden massive finanzielle Schwierigkeiten bekannt: Zwei englische Tochtergesellschaften mussten Insolvenz anmelden, die Anteile an dem deutschen Immobilienfonds Dawnay Day Treveria verkauft. Unter Insolvenzverwaltung steht seit einigen Tagen auch die größte der Dawnay-Day-Gesellschaften, Dawnay Day International. Verwaltet wird sie von der britischen WP-Gesellschaft BDO Stoy Hayward.

Noch Anfang 2007 hatte Hertie mit dem britischen Finanzdienstleister GMAC, der Bankentochter von General Motors, einen Kreditvertrag über 55 Millionen Euro ausgehandelt.

Hertie ist nicht das einzige Insolvenzverfahren einer ehemaligen Karstadt-Quelle-Tochter. Karstadt-Quelle (heute Arcandor) hatte 2005 sowohl Hertie als auch die Textilhandelsketten Wehmeyer und SinnLeffers sowie die Turnschuhläden der Marke Runners Point verkauft – als Teil des eigenen Sanierungsplans (mehr…>/a>). Vor vier Wochen war Wehmeyer zum Insolvenzfall geworden. Insolvenzverwalter ist in Aachen Dr. Frank Kebekus von Kebekus & Zimmermann. (Markus Lembeck)