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17.03.2009

Madoff-Skandal: Kanzleien aus 21 Ländern kooperieren

Angesichts des Betrugsskandals des US-Investmentmanagers Bernhard Madoff haben sich Mitte Februar 34 Kanzleien aus 21 Ländern zu einem ‚Globalen Bündnis im Fall Madoff‘ zusammengeschlossen. Ziel der Allianz ist vor allem der Informationsaustausch und das Entwickeln gemeinsamer Strategien. Die Vertretung von Mandaten bleibt dagegen den einzelnen Kanzleien vorbehalten.

Die in Spanien und Südamerika vertretene Sozietät Cremades & Calvo-Sotelo organisierte das Gründungstreffen des Bündnisses an ihrem Madrider Standort. Namenspartner Dr. Javier Cremades übernahm zugleich die Präsidentschaft. Zu den teilnehmenden Kanzleien gehören unter anderem Lasky Ganzger & Partner aus Österreich, Thielen & Stroesser aus Luxemburg, Fischer & Partner aus der Schweiz sowie die US-amerikanische Labaton Sucharow. Aus Deutschland beteiligt sich die Berliner Anlegerkanzlei Rohde & Späth, die gemeinsam mit der Münchner Kanzlei CLLB Geschädigte im Madoff-Fall vertritt.

„Diese erste globale Allianz international tätiger Anwaltskanzleien bietet nun die Möglichkeit, für diesen ersten wirklich globalen Betrugsfall auch globale Lösungen zu finden“, sagte Dr. Walter Späth, der rund 30 deutsche Privatinvestoren vertritt, die im Durchschnitt rund 50.000 Euro durch Madoff verloren haben.

Madoff war Mitte Dezember verhaftet worden, nachdem er mit einem betrügerischen Schneeballsystem institutionelle und private Anleger, darunter zahlreiche Prominente und einige Banken, um rund 50 Milliarden Dollar betrogen hatte. Der frühere Wall-Street-Händler hat sich zum Prozessauftakt Mitte März in New York schuldig bekannt und sich bei seinen Opfern entschuldigt. Das Urteil soll im Juni gefällt werden. Madoff drohen bis zu 150 Jahre Gefängnis.

Experten schätzen, dass Anleger aus Deutschland mit einem Gesamtschaden von rund 150 Millionen Euro noch relativ glimpflich davon gekommen sind, während in anderen Ländern wie Spanien (Gesamtschaden rund 3,6 Milliarden Euro) und Schweiz (rund 3 Milliarden Euro) die Schadenssummen deutlich höher ausfallen. Privatanleger versuchen nun gegen Banken und Hedge-Fonds vorzugehen, die wiederum die Aufsichtsbehörden ins Visier nehmen.

Cremades & Calvo-Sotelo hat inzwischen mit der New Yorker Anlegerkanzlei Labaton Sucharow eine erste US-Sammelklage eingereicht, die sich unter anderem gegen Banco Santander, Optimal Investment Services und HSBC Securities Services richtet. In Österreich will der Prozessfinanzierer Advofin eine Sammelklage gegen die Bank-Austria einreichen, weil diese Geld privater Investoren entgegen Prospektangaben nicht diversifiziert angelegt, sondern allein in das Madoff-Imperium gesteckt haben soll. (Meike Nohlen)

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