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08.07.2010

Freshfields: Deutliches Umsatzminus in Deutschland, Wien im Plus

Die deutsche Praxis von Freshfields Bruckhaus Deringer erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 14 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Nach JUVE-Informationen fiel der Umsatz auf unter 335 Millionen Euro. Die Praxis büßte damit hierzulande offenbar mehr ein als Clifford Chance und Linklaters.

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Manfred Finken

Positiv entwickelte sich dagegen der Umsatz in Wien. Im Geschäftsjahr 2009/2010 legte das Büro um knapp vier Prozent auf rund 38 Millionen zu.

Dass Freshfields die Entwicklung in Deutschland allerdings nicht ganz unerwartet traf, lässt sich am pro Berufsträger erzielten Umsatz (UBT) in Deutschland ablesen. Dieser sank nur leicht um rund 3,5 Prozent und beträgt nach JUVE-Berechnungen um 700.000 Euro. Damit hat die hierzulande personell um rund 12,5 Prozent geschrumpfte Kanzlei offensichtlich überwiegend an den richtigen Personalschrauben gedreht.

Das deutsche Management hatte die Anwälte überdies schon länger auf Rückgänge eingestimmt – nicht zuletzt, weil der Umsatz bereits im vergangenen Jahr um zwei Prozent geschrumpft war. „Das vergangene Jahr war wie erwartet von dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld geprägt,“ so der in Kürze scheidende deutsche Managing Partner Manfred Finken. „Die Zurückhaltung der Investoren haben wir vor allem im Hinblick auf die Anzahl und das Volumen von Transaktionen gesehen. Teilweise auffangen konnten wir das dank unserer fachlich breiten Aufstellung.“

Intern heißt es, das äußerst verhaltene Geschäft bis Oktober 2009 sei letztlich durch ein starkes viertes Quartal und vier sehr starke Monate bis Ende April 2010 noch hochgerissen worden. Zu den hochvolumigen Deals, die Freshfields-Anwälte betreuten, zählten in dieser Zeit die Beratung von Liberty beim Kauf des Kabelnetzbetreibers Unity Media (mehr…), der Deutschen Bahn beim Kauf von Arriva (mehr…) oder der Verkauf von Ratiopharm (mehr…). Zwischenzeitlich war von Partnern deswegen sogar die Hoffnung zu hören, der Rückgang könne im einstelligen Bereich gehalten werden. Das ist nicht aufgegangen.

Tatsächlich musste Freshfields in Deutschland sogar einen größeren Einbruch verkraften als weltweit. Die hierzulande nach Berufsträgerzahl größte Kanzlei befindet sich damit allerdings in guter Gesellschaft ihrer britischen Widersacher Clifford Chance und Linklaters.

Weltweit schrumpfte der Freshfields-Umsatz um knapp 11 Prozent, was zu einem Ertrag von 1,14 Milliarden Pfund (1,29 Milliarden Euro) führte, den die weltweit mehr als 1.500 Anwälte erwirtschafteten.

Zum Vergleich: Clifford meldete gestern einen weltweiten Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 1,2 Milliarden Pfund (1,36 Milliarden Euro), dagegen sanken die Einnahmen in Deutschland um acht Prozent (mehr…).

Linklaters verlor weltweit 8,8 Prozent und kam auf 1,18 Milliarden Pfund (1,34 Milliarden Euro), in Deutschland dürfte der Rückgang nach JUVE-Informationen etwas höher sein.

Ein gutes Jahr erlebte die Wiener Freshfields-Praxis, die auf Vollzeitstellen gerechnet wie im vergangenen Jahr etwas mehr als 40 Berufsträger zählte. Das Umsatzplus des Büros dürfte auch auf die umfassende Betreuung der Porsche-Eigner zurückzuführen sein (mehr…) sowie die Beteiligung an einer Reihe von Großdeals wie die Beratung des Ringier-Verlags bei seiner Osteuropa-Kooperation mit Axel Springer (mehr…) oder dem Wirken für die BayernLB bei der Übertragung der Hypo Group Alpe Adria (mehr…). (Jörn Poppelbaum, Antje Neumann, Christopher Tod)

Diesen Artikel finden Sie unter : https://www.juve.de/nachrichten/namenundnachrichten/2010/07/nl102701
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