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08.12.2011

Englischer Patient: Linklaters will in London Großreinemachen

Die britische Top-Kanzlei Linklaters steht erneut vor einem drastischen Restrukturierungsschritt. Wegen des schwachen Londoner Marktes und der Euro-Krise habe die Kanzlei beschlossen, sich weltweit von über 30 Equity-Partnern zu trennen bzw. Equity-Partnern ihren Anteil zu entziehen. Das berichtet heute die englische Presse.

Robert Elliott

Robert Elliott

Der Großteil der Restrukturierungsmaßnahmen trifft danach das Londoner Stammhaus. Dieses gab jahrelang den Ton innerhalb der Partnerschaft an und war lange die profitabelste Einheit der internationalen Kanzlei. Im Zuge der durch die Lehman-Pleite verschärften weltweiten Finanzkrise verringerte sich aber der Anteil der kapitalmarktorientierten Londoner Praxis am Gesamtergebnis stetig. In der englischen Hauptstadt sollen daher nun rund 20 Partner abgebaut bzw. zurückgestuft werden. Daneben soll es nach JUVE-Informationen auch in New York Abbaumaßnahmen geben.

Kanzleikenner vermuten, dass die Einnahmen in London in den vergangenen zwei Jahren um rund acht Prozent zurückgegangen sind. Das unterstreicht die gegensätzliche Entwicklung zum Rest der internationalen Praxis: Denn insgesamt gelang Linklaters im vergangenen Geschäftsjahr ein Umsatzplus von 1,4 Prozent. Die stärksten Zuwächse verzeichnete die Kanzlei in Dubai (+13 Prozent) und Asien (+10 Prozent).

Deutschland gehörte mit einem Plus von 5,3 Prozent ebenfalls zu den starken Einheiten (mehr…). Das hiesige Management verfolgt seit Jahren den Kurs, die Entwicklung jedes Partners und Geschäftsbereichs sehr kritisch zu begleiten. So kommt es immer wieder zu Abgängen und interne Umbesetzungen. Den großen Knall wie jetzt in London hat das Management dabei – abgesehen vom Ende 2007 gefassten Beschluss, das Kölner Büro zu schließen (mehr…) – weitgehend vermieden.

Neues Management will Stärke zeigen

Der jetzige Restrukturierungsschritt ist der zweite innerhalb von nur zwei Jahren. Bereits Anfang 2009 hatte Linklaters mit dem ‘New World’-Programm angekündigt, Stellen auf allen Ebenen und weltweit zu streichen (mehr…). Dies hat jedoch offenbar nicht genügt, um in London nachhaltig ein befriedigendes Ergebnis zu erzielen.

Partner der Kanzlei vermuten noch einen weiteren Grund für die drastischen Maßnahmen: Der seit Oktober amtierende Senior Partner Robert Elliott (mehr…) wolle gleich zum Anfang seiner Amtszeit ein Zeichen setzen und diejenigen Partner in den eigenen Reihen beruhigen, die die Gefahr sehen, den Status einer  “elitären Law Firm” zu verlieren.

Zudem stellt sich im kommenden Jahr auch der gleichsam für seine Konsequenz und Härte bekannte wie umstrittene Managing-Partner Simon Davies zur Wiederwahl. Ob die nun bekannt gewordenen Maßnahmen dessen Chancen erhöhen, die Position für weitere fünf Jahre zu behalten, ist alles andere als klar. (Jörn Poppelbaum)

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