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16.11.2012

Rettung gescheitert: Mönig und Partner begleitet Alemannia Aachen in die Insolvenz

Der Fußball-Drittligist Alemannia Aachen ist zahlungsunfähig. Dem Verein fehlen kurzfristig mehr als vier Millionen Euro. Dies erklärte der vom Verein beauftragte Anwalt Michael Mönig, Namensgeber der Münsteraner Sozietät Mönig und Partner.

Michael Mönig

Der Club wird in der kommenden Woche einen vorläufigen Gläubigerausschuss einsetzen und beim Amtsgericht Aachen Insolvenz anmelden. Mönig zufolge ist das Ziel, den Spielbetrieb von Alemannia Aachen bis zum Saisonende aufrecht zu erhalten, den Verein über ein Insolvenzverfahren zu sanieren und dann einen Neuanfang in der Regionalliga zu starten.

Es ist die zweite Pleite eines Fußball-Clubs binnen kürzester Zeit. Erst Anfang des Monats hatte der Regionalligist VfB Lübeck Insolvenz angemeldet. Dort gibt es bereits einen Insolvenzverwalter: Die Aufgabe übernahm Stefan Denkhaus aus der Hamburger Sozietät BRL Boege Rohde Luebbehuesen.

Mönigs Kanzlei hat neben ihrem Stammsitz in Münster acht weitere Standorte in Deutschland. Der Insolvenzexperte begleitete schon vor zwei Jahren den westfälischen Fußball-Verein Rot-Weiß Ahlen bei dessen Sanierungsplänen. Nachdem der Rettungsversuch scheiterte, wurde er Insolvenzverwalter des Clubs.

Auch Alemannia Aachen beriet er nun schon seit Längerem und prüfte die Bilanzen des Vereins zuletzt intensiv. Der Verein stand schon Ende Oktober vor dem finanziellen Aus. Damals musste der Geschäftsführer Frithjof Kraemer seinen Posten räumen und es hieß, es sei ein Geldgeber aus den eigenen Reihen gefunden worden. Der geschasste Geschäftsführer Kraemer geht inzwischen arbeitsrechtlich gegen den Club vor.

Langer Kampf

Bis zuletzt hatten der Regionalpresse zufolge die Vereinsverantwortlichen mit Vertretern der Stadt um die Zukunft des Clubs gerungen und die Möglichkeiten eines geordneten Insolvenzverfahrens ausgelotet.

Schon seit Längerem kriselte es bei den Aachenern nicht nur im Hinblick auf die sportliche Leistung. Schulden drückten den Verein, der noch 2006/07 in der ersten Fußball-Bundesliga spielte und inzwischen in der dritten Liga am Tabellenende dümpelt. Die Stadt hatte dem Verein unter anderem im Frühjahr ein Darlehen von 19 Millionen Euro gewährt.

Hinzu kam in den vergangenen Monaten Ärger um Versäumnisse in der Führungsetage der Clubs. Ende Mai hatte Geschäftsführer Kraemer bei der Stadt eine Erklärung über die Vollständigkeit der Bilanzen unterschrieben. Wenig später kam heraus, dass die Bilanzen schlechter sind als angenommen.

Im August folgte der Rauswurf des Aufsichtsrats Horst Rambaus, einem großen Kritiker Kraemers. Hintergrund war ein Gutachten der angesehenen Aachener Kanzlei Sina Maassen, in dem Versäumnisse und Fehler Rambaus aufgeführt worden waren. Rambau wehrte sich mithilfe des Anwalts Peter Nickel aus der Eschweiler Sozietät Bach & Nickel.

Er strebt eine Rückkehr in den Aufsichtsrat an und stellte unter anderem eine Strafanzeige wegen Verleumdung gegen Dr. Meino Heyen, den Präsidenten des Vereins und Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Der Vertrag mit dem Geschäftsführer Kraemer war unterdessen erst Ende September verlängert worden, Berichten der Regionalpresse zufolge auf Bitten des Vereinspräsidenten Heyen. (René Bender)

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