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27.02.2013

KapMuG: Tilp geht erneut mit Anlegerklage gegen Deutsche Telekom vor

Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt startet heute das zweite Kapitalmusterverfahren (KapMuG) im Zusammenhang mit den Börsengängen der Deutschen Telekom. Ein Anleger verlangt Schadensersatz von dem Konzern, vom Bund, der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Deutschen Bank (23 Kap 2/06).

Andreas Tilp

Der Frankfurter Zivilsenat hatte den Musterkläger zuvor aus einer dreistelligen Anzahl von Klägern bestimmt. Sie alle verlangen von der Deutschen Telekom eine Entschädigung, weil der Verkaufsprospekt beim sogenannten Zweiten Börsengang des Konzerns im Jahr 1999 fehlerhaft gewesen sein soll. Die Preisentwicklung einer Telekom-Aktie nahm einen ungünstigen Verlauf und notierte bereits nach kurzer Zeit unter dem Ausgabepreis.

Im ersten KapMuG-Verfahren warfen die Kläger der Telekom vor, unter der Führung des damaligen Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer den Aktienkurs beim zweiten und dritten Börsengang in den Jahren 1999 und 2000 in die Höhe getrieben zu haben (mehr…).

In dem heutigen Musterverfahren soll geklärt werden, ob die Angaben der Beklagten zu den Immobilienbewertungen im Börsenprospekt fehlen oder falsch sind. Zudem geht es um die Frage, ob die Anleger über die wahre wirtschaftliche Situation der Deutschen Telekom getäuscht werden sollten. Während sich der erste Musterprozess über vier Jahre hinweg zog, rechnen Marktbeobachter diesmal mit einem schnelleren Verfahren. Dies gilt insbesondere, weil sich der zuständige Zivilsenat bereits eingehend mit der Materie befasst hat.

Im Gegensatz zum ersten KapMuG-Verfahren gegen die Deutsche Telekom gibt es zudem dieses Mal mehrere Musterbeklagte. Dies liegt an der letztjährigen KapMuG-Gesetzesnovelle, nach der es auf Beklagtenseite keine Beigeladenen mehr gibt.

Vertreter Musterkläger
Tilp (Kirchentellinsfurt): Andreas Tilp, Peter Gundermann

Vertreter Deutsche Telekom
Schmitz & Partner (Frankfurt): Dr. Bernd-Wilhelm Schmitz, Stephan Kleemann; Associate:Jens Stadtmüller

Vertreter Bund/KfW
Ettrich (Frankfurt): Bernd Hanowski (Federführung), Robert Hung; Associate: Ekkehard Weber

Vertreter Deutsche Bank
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Peter Heckel (Federführung); Associate: Dr. Anabel Harting

Oberlandesgericht Frankfurt, 23. Zivilsenat
Birgitta Schier-Ammann (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Die Parteivertreter sind dieselben wie im ersten KapMuG-Verfahren. Lediglich Bund- und KfW-Vertreter Hanowski wechselte mit seinem Team von Salans zur Frankfurter Sozietät Ettrich Sturmfels (mehr…). Nach dem Ausscheiden eines Senior Partners firmiert die Einheit als Ettrich. Sie ist vor allem für ihre Prozessarbeit anerkannt.

Wie jüngst bekannt wurde, ist das erste KapMuG-Verfahren noch nicht zu den Akten gelegt. Die anerkannte Kapitalanlegerkanzlei Tilp hat Ende Januar eine Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof gegen das Urteil von 2012 eingelegt. (Marcus Jung)

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