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25.04.2013

Regulierung der Wirtschaftsprüfungsbranche: EU-Parlament nimmt Barnier Wind aus den Segeln

Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments hat heute Vormittag zwei Kernforderungen von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier im Hinblick auf eine stärkere Regulierung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften abgeschwächt: Nach dem Willen der Parlamentarier soll es keine zwingende Rotation des Abschlussprüfers geben. Auch die Idee der reinen Prüfungsfirma ohne Beratungszweig ist zunächst vom Tisch.

Klaus-Heiner Lehne

Klaus-Heiner Lehne

Damit vermeidet der Rechtsausschuss, der von dem EVP/CDU-Parlamentarier Klaus-Heiner Lehne geführt wird, einen ähnlich radikalen System-Wechsel wie er Barnier vorschwebte. Vor allem im umstrittensten Punkt – der Rotation des Prüfers – schlägt der Parlamentsausschuss einen Kompromiss vor.

Danach ist ein Wechsel der Prüfgesellschaft nach 14 Jahren zwar grundsätzlich vorgeschrieben. Jedoch soll es einem Unternehmen möglich sein, den Prüfer länger zu beschäftigen. Die Voraussetzung: Der Prüfer muss sich nach 14 Jahren in einer formellen Ausschreibung des Unternehmens durchsetzen, oder es muss eine genaue Überprüfung der Audit-Qualität stattgefunden haben. Auch könnte nach Auffassung der EU-Rechtspolitiker ganz auf die Rotation verzichtet werden, wenn ein Land für sich das sogenannte Joint Audit festgeschrieben hat, also die gleichzeitige Prüfung durch zwei Abschlussprüfer.

Damit würde sich das System vor allem in Frankreich praktisch nicht ändern, wo Joint Audits üblich sind. Auch in Deutschland lassen die Ausnahmereglungen wahrscheinlich viel Gestaltungsspielraum.

EU-Kommissar Barnier hatte in seinem Verordnungsentwurf noch eine zwingende Rotation nach sechs Jahren bei einem einfachen Abschlussprüfer und nach neun Jahren bei einem Joint Audit vorgesehen.

Keine „pure Audit-Firms“

Auch die Befürchtung vor allem der Big-Four-WP-Unternehmen KPMG, PricewaterhouseCoopers, Ernst & Young und Deloitte, dass es zu der Errichtung reiner Prüfungsgesellschaften ohne Beratungssparte kommen könnte, ist nach dem Votum des Rechtsausschusses unbegründet. Der Ausschuss hat die betreffende Passage in seinem Verordnungsvorschlag komplett gestrichen. Nach Auffassung des Ausschusses muss sich das Audit-Committee des zu prüfenden Unternehmen lediglich eine Politik geben, wie es mit Beratungsdienstleistungen durch Prüfungshäuser umgehen will, und seinem Aufsichtsgremium einen entsprechenden Vorschlag machen. Dieser ist jährlich zu überprüfen.

Wann die Verordnung tatsächlich in Kraft tritt, ist noch unklar. Zunächst muss nach Kommission und Parlament auch der Rat einen Beschluss fassen. Damit rechnen Beobachter nicht vor Ende Mai. Erst nach der parlamentarischen Sommerpause dürfte ernsthaft zwischen den EU-Institutionen verhandelt werden, so dass mit einem Erlass der Verordnung nicht vor Ende des Jahres gerechnet werden kann. (Jörn Poppelbaum)

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