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19.02.2014

Deutsche Bank: Vergleich mit Kirch steht an, Ablösung von Chefjurist dementiert

Die Deutsche Bank steht vor einem bis zu 900 Millionen Euro schweren Vergleich mit den Erben des verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch. Aktuell tagt der Aufsichtsrat, um den Vorschlag auf den Weg zu bringen. Daneben schlagen Gerüchte um eine mögliche Ablösung des langjährigen Chefjuristen Richard Walker hohe Wellen.

Georg Thoma

Laut einem Bericht der ,Süddeutschen Zeitung‘, der sich auf den Aufsichtsrat beruft, will die Deutsche Bank 800 Millionen Euro samt Zinsen zahlen. Der Betrag solle deutlich unter einer Milliarde Euro liegen. Damit wäre die Deutsche Bank bereit, den Betrag zu zahlen, den bereits das Oberlandesgericht vor über zwei Jahren als Vergleichssumme in den Raum gestellt hatte. Auf Anfrage von JUVE wollte sich die Deutsche Bank nicht zu der heutigen Entwicklung äußern.

Aktuell tagen in Frankfurt das Präsidium um den Aufsichtsratschef Paul Achleitner sowie der zuständige Integritätsausschuss des Kontrollgremiums. Der Ausschuss wird von Shearman & Sterling-Partner Georg Thoma geleitet, der ein langjähriger Vertrauter des Chefkontrolleurs ist. Dem Vernehmen nach sollen weitere externe Anwälte als Berater hinzugezogen worden sein. Ein langjähriger Berater des Aufsichtsrats ist etwa Dr. Marc Löbbe von SZA Schilling Zutt & Anschütz, auch der frühere Linklaters-Partner Dr. Florian Drinhausen hatte das Bankhaus in der Vergangenheit bei einem letztlich gescheiterten Vergleich mit den Kirch-Erben beraten. Zum Februar dieses Jahres ist Drinhausen als Co-Deputy General Counsel zur Deutschen Bank gewechselt.

Mit einem Vergleich würde der seit elf Jahren schwelende Streit zwischen der Bank und der Kirch-Seite enden. Die Erben des Unternehmers machten die Deutsche Bank und deren damaligen Vorstandschef Dr. Rolf Breuer für die Pleite des Medienimperiums 2002 verantwortlich und forderten Schadensersatz in Milliardenhöhe. Ein Indiz für das mögliche Ende lieferte heute das Oberlandesgericht München. Es sagte einen für morgen Vormittag angesetzten Verfahrenstermin zwischen den beiden Streitparteien ab. Wie das Gericht mitteilte, seien neue erst nach Dienstschluss eingegangene Schriftsätze Grund für die überraschende Absage.

Deutsche Bank dementiert Personalgerüchte

Mit klaren Worten reagierte die Bank zudem auf einen Bericht des ,Manager Magazin‘, in dem behauptet wurde, die Bank suche bereits einen Ersatz für ihren langjährigen globalen Chefjuristen Richard Walker. Das Blatt will erfahren haben, dass konzernintern das UBS-Vorstandsmitglied Markus Diethelm als geeigneter Kandidat gilt. Der Schweizer ist aktuell Chefjustiziar der Schweizer Großbank und Mitglied in deren Konzernvorstand.

Richard Walker

„Wir kommentieren Spekulationen sowie Klatsch und Tratsch nicht“, so eine Sprecherin der Deutschen Bank auf Anfrage. „Wir freuen uns, dass Dick Walker unser Chefsyndikus ist. Er hat die uneingeschränkte Unterstützung der Bank.“ Anderslautende Medienberichte seien kategorisch falsch und unverantwortlich, so die Sprecherin weiter. Auch verschiedene führende Bankrechtler halten eine solche Personalrochade für äußerst abwegig. Über die Führungsrolle des Chefjuristen in den zahlreichen streitigen Auseinandersetzungen, insbesondere in der Libor-Affäre, wird im Markt jedoch viel gesprochen.

Bis 2011 schien es, als wachse der Einfluss von Walker im Konzern beständig. Der New Yorker, seit 2001 bei der Deutschen Bank und als globaler General Counsel bereits oberster Jurist des Konzerns, stieg in das weltweite Group Executive Committee auf. Dieses gilt als eigentliches Machtzentrum der Bank. In die Kritik geriet Walker dann vor allem durch seine Rolle im Zusammenhang mit Manipulationen an den internationalen Referenzzinssätzen Libor und Euribor, deren interne Aufarbeitung er verantwortet. An den Manipulationen war die Deutsche Bank maßgeblich beteiligt.

Vor rund einem Jahr sorgte dann die Finanzaufsicht BaFin mit einer ungewöhnlichen Forderung für einiges Aufsehen, als sie dem Bankhaus nahelegte, personelle Konsequenzen aus der Zinssatzaffäre zu ziehen und die Ablösung Walkers forderte. Bereits damals stand die Deutsche Bank zu ihrem General Counsel. (Marcus Jung)

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