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07.02.2014

Nach Skandal: ADAC entwickelt mit Freshfields Compliance-System und sucht CCO

Der ADAC hat erste konkrete Reformen zur Erneuerung seiner internen Organisation beschlossen. Dazu gehört insbesondere eine neue Compliance-Struktur. Im Zuge dessen soll die Stelle eines Chief Compliance Officers geschaffen werden. Damit reagiert der Automobilclub auf den Skandal um gefälschte Wahlergebnisse beim Autopreis Gelber Engel. In dessen Folge waren unternehmensinterne Strukturen massiv in die Kritik geraten.

Wolfram Rhein

Wolfram Rhein

Schon in den kommenden Tagen will der ADAC einen Zehn-Punkte-Plan umsetzen, der nach Unternehmensangaben Missstände beseitigen und eine transparente und zeitgemäße Organisation garantieren soll. Dies beschloss gestern der Verwaltungsrat, der alle 18 Regionalcubs des ADAC repräsentiert und gewährleisten soll, dass der Plan umgesetzt wird.

In einem ersten Schritt beauftragte der ADAC nun Freshfields Bruckhaus Deringer, die Compliance-Regeln des Unternehmens überprüfen und ein deutlich erweitertes Compliance-System zu entwickeln. Um das Mandat hatten sich JUVE-Recherchen zufolge zahlreiche große Kanzleien beworben.

Mit Freshfields setzt der Automobilclub dabei auf eine Top-Kanzlei, die mit dem Club und dessen Strukturen bestens vertraut ist. Führen wird das Mandat dort ein Düsseldorfer Partnertrio bestehend aus den Gesellschaftsrechtlern Dr. Wolfram Rhein und Dr. Tobias Larisch sowie dem Kartellrechtler Dr. Peter Niggemann. Insbesondere Rhein und Niggemann kennen den ADAC schon lange. Sie berieten 2006 zur Gründung der ADAC-Autoversicherungstochter, zudem waren sie im vergangenen Jahr dabei, als der ADAC ein erfolgloses Angebot für den Nürburgring abgab.

Mit einem direkten Compliance-Schwerpunkt verbinden Marktbeobachter jedoch keinen der drei Partner, obwohl alle drei seit Jahren regelmäßig zu Compliance-Themen beraten, so etwa im Rahmen der Arbeit in den jeweiligen originären Fachgebieten. So beschäftigen sich Rhein und Larisch beispielsweise vorwiegend mit Themen der Corporate Governance, Niggemann mit kartellrechtlicher Compliance. Larisch steht beispielsweise der Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft in Compliance-Fragen regelmäßig zur Seite. Darüber hinaus ist auch mit dem Aufbau eines Compliance-Systems bereits Erfahrung in dem Trio vorhanden: So begleitete Niggemann bereits einen Zementhersteller bei dieser Herausforderung.

Auf das Team dürfte viel Arbeit zukommen, denn JUVE-Recherchen zufolge hat der ADAC zwar intern eine Ethik-Richtlinie, an einem richtigen Compliance-System oder einer entsprechenden Abteilung fehlt es dem 19 Millionen Mitglieder starken und weit verzweigten Konzern aber. Zudem soll bereits kurzfristig ein Chief Compliance Officer berufen werden, der derzeit extern gesucht wird.

Kritik reißt nicht ab

Ein mangelndes Compliance-Bewusstsein ist einer der gewichtigen Vorwürfe, die gegen den ADAC in den vergangenen Wochen laut geworden sind. Unter Beschuss geraten war der Club auch, weil mehrere Funktionäre gleichzeitig auch Vertragsanwalt des Automobilclubs sind. Dazu gehört unter anderem Ulrich Becker, ADAC-Vizepräsident für Verkehr, sowie Mitglieder des Verwaltungsrats. Vertragsanwälte des ADAC sind Ansprechpartner für Clubmitglieder, wenn es nach einem Verkehrsunfall zum Streit kommt.

Ein ADAC-Sprecher erklärte, dass die Funktionäre bereits Vertragsanwälte gewesen seien, bevor sie ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten für den ADAC aufgenommen hätten. In der Frage, ob sie ihre Arbeit als Vertragsanwälte nicht mit Beginn ihres Engagements beim ADAC hätten aufgeben müssen, verwies der Sprecher auf die Zuständigkeit der Regionalclubs.

Ferner untersucht die Staatsanwaltschaft nicht nur die Manipulationen bei der Wahl zum Gelben Engel, für deren Aufarbeitung der ADAC selbst bereits die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte hinzugezogen hat. Sie prüft auch, ob es strafrechtlich relevant sein könnte, dass Mitglieder des Präsidiums Rettungshubschrauber für Dienstreisen genutzt haben.

Darüber hinaus ist inzwischen auch die gesellschaftsrechtliche Struktur Clubs Gegenstand einer externen Untersuchung. Das Registergericht beim Amtsgericht München prüft aktuell den Vereinsstatus des ADAC. (René Bender)

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