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24.03.2014

Nach Kirch-Prozess: Razzia bei Hengeler und Gleiss

Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen amtierende und frühere Führungskräfte der Deutschen Bank im Kirch-Komplex richten sich nun auch gegen die ehemaligen Anwälte der Bank. In der vergangenen Woche wurden in diesem Zusammenhang das Frankfurter Büro von Hengeler Mueller und der Münchner Standort von Gleiss Lutz durchsucht.

Die Durchsuchung bestätigte Hengeler gegenüber JUVE, Sprecher der Kanzleien äußerten sich aber nicht näher zu den erhobenen Vorwürfen.

Bislang ermittelte die Staatsanwaltschaft München wegen möglicher Falschaussagen im Kirch-Prozess vor allem gegen die Führungsriege der Deutschen Bank. Nun rücken auch die Berater der Bank wegen des Verdachts der Beteiligung am Prozessbetrug in das Visier der Fahnder.

Die Staatsanwaltschaft München bestätigte heute gegenüber JUVE, dass neben den drei bereits bekannten Verfahren gegen Josef Ackermann, Dr. Rolf Breuer sowie Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen nun auch wegen versuchten Betrugs in Mittäterschaft gegen die ehemaligen Rechtsanwälte der Deutschen Bank im Kirch-Prozess sowie weitere Mitarbeiter der Deutschen Bank ermittelt werden. Dabei beziehen sich die Ermittlungen auf Aussagen im Kirch-Prozess, die entsprechend aufseiten der Deutschen Bank vorbereitet und durch die Anwälte vorgetragen worden seien.

In diesem vierten angestoßenen Verfahren wurden heute auch die Räume der Deutschen Bank erneut durchsucht. In allen Verfahren sind die Ermittlungen bislang noch nicht abgeschlossen.

Öffentlichkeitswirksamer Streit

Der Streit zwischen den Erben von Leo Kirch und der Deutschen Bank wurde in den vergangenen Jahren äußerst öffentlichkeitswirksam ausgetragen und nahm dabei auch einige Wendungen. Häufig standen auch die Anwälte im Fokus der Berichterstattung. Bei Hengeler betreuten Dr. Peter Heckel und Dr. Markus Meier, bei Gleiss Lutz Counsel Dr. Luidger Röckrath den Streit von Anbeginn.

Zuletzt endete das Mandatsverhältnis zwischen den beiden Kanzleien und der Deutschen Bank allerdings, als sich die Bank zu einem Vergleich entschloss. Zur Beendigung des Zivilprozesses zahlte die Deutsche Bank vor Kurzem rund 925 Millionen Euro. Das Anwaltsteam von Hengeler und Gleiss ist aber weiter für den früheren Vorstandschef der Deutschen Bank, Dr. Rolf Breuer, tätig.

Gegen Breuer sowie Ex-Konzernchef Josef Ackermann und Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des möglichen Verdachts auf Absprache und Falschaussage im zurückliegenden Kirch-Prozess. Fitschen soll zuletzt einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ausgeschlagen haben. Diese hatte Medienberichten zufolge angeboten, die strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn nach Zahlung eines Bußgelds einzustellen.

Die Deutsche Bank und die Beschuldigten setzen in den Verfahren auf die Top-Riege der deutschen Strafverteidiger. So begleitet Dr. Felix Dörr von der Frankfurter Kanzlei Dr. Dörr & Partner den Bankkonzern strafrechtlich. Aus dem Markt bekannt ist zudem, dass zusätzlich der bekannte Münchner Strafverteidiger Prof. Dr. Werner Leitner, Namenspartner bei Leitner & Partner, mandatiert ist.

Fitschen setzt mit Feigen Graf auf eine renommierte Frankfurter Strafrechtskanzlei, die ihn bereits in den Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Steuerhinterziehung beim sogenannten Umsatzsteuerkarussell vertritt. Der frühere Vorstandschef Ackermann vertraut auf Eberhard Kempf von Kempf & Dannenfeldt, Breuer lässt seine Interessen von Dr. Sven Thomas von der Düsseldorfer Strafrechts-Boutique Thomas Deckers Wehnert Elsner vertreten. (Ulrike Barth)

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