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10.10.2014

Große Überraschung: Hengeler Mueller verliert Tönnies-Prozessmandat an Noerr

Paukenschlag im Gesellschafterstreit um den Fleischkonzern Tönnies: Clemens Tönnies wechselt wenige Wochen vor Beginn eines entscheidenden Prozesses seine Anwälte. Ab sofort vertritt nicht mehr Hengeler Mueller in den zahlreichen Prozessen vor verschiedenen Gerichten seine Interessen, sondern Noerr.

Tobias Bürgers

Tobias Bürgers

Clemens Tönnies hält 50 Prozent der Anteile an Tönnies und hat faktisch das Sagen. Seit einigen Jahren aber wehrt sich sein Neffe Robert Tönnies – auch er hält die Hälfte der Anteile – mit juristischen Mitteln gegen die Vorherrschaft seines Onkels. Beide kämpfen inzwischen in zahlreichen Prozessen um die Macht im Konzern. Die beiden Hauptstreitpunkte sind das von Clemens Tönnies behauptete Doppelstimmrecht, das ihm trotz der Anteilsparität die faktische Macht verleiht sowie eine Schenkung an ihn, die der Neffe wegen groben Undanks widerrufen möchte. Zuletzt hatte Robert seinem Onkel Clemens vor dem LG Bielefeld eine empfindliche Niederlage zugefügt.

Dieser wird ab sofort mit neuen Anwälten an seiner Seite auftreten. Von Beginn an hatte Clemens in dem Streitkomplex auf Hengeler Mueller und deren renommierte Düsseldorfer Partner Prof. Dr. Michael Hoffmann-Becking und Dr. Matthias Blaum gesetzt. Ein Sprecher von Clemens Tönnies kommentierte dies wie folgt: „Das ist ein ganz normaler und lange vorbereiteter Schritt. Die Kanzleien haben über einen längeren Zeitraum offen und sehr sauber zusammen gearbeitet. Jetzt, vor Prozessbeginn, kam es zu einer entsprechenden Information gegenüber der anwaltschaftlichen Vertretung der Gegenseite. Andererseits legten JUVE-Recherchen zuletzt durchaus nahe, dass die Umstände und der Zeitpunkt des jetzigen Wechsels durchaus auch für ein gestörtes Vertrauensverhältnis sprechen könnten. Hengeler wollte auf JUVE-Anfrage zu den Hintergründen des Mandatswechsels keine Stellung nehmen.

Hoffmann-Becking_Michael

Michael Hoffmann-Becking

Die Prozessvollmacht übernimmt nun Noerr. Federführend betreut wird das Mandat vom Co-Managing-Partner Dr. Tobias Bürgers, der soweit bekannt von Dr. Sebastian Fischer unterstützt wird. Schon seit einigen Monaten hatte Clemens Tönnies JUVE-Informationen zufolge den Kontakt zu der Kanzlei gesucht. Demzufolge könnte die Mandatierung des Gesellschaftsrechtlers und M&A-Spezialisten Bürgers ein Zeichen dafür sein, dass Clemens Tönnies neben der prozessualen Lösung des Streits auch nach unternehmerischen Lösungen sucht.

Noerr muss sich auf der Gegenseite mit der Stuttgarter Kanzlei Binz & Partner auseinandersetzen, die die Interessen von Robert Tönnies vertritt. Auch dieser hatte im Verlauf des Streitkomplexes seine Berater gewechselt. Zunächst hatte er Dr. Bertram Schacker aus dem Bielefelder Büro von Streitbörger Speckmann an seiner Seite, war dann aber 2011 zu Binz & Partner gewechselt. Dort agieren vor allem der Prozessspezialist Dr. Alexander Burger sowie Prof. Dr. Mark Binz und Dr. Gerd Mayer. Binz ist bekannt für seine Erfahrung als Berater von Familiengesellschaftern in Auseinandersetzungen und konnte seit seiner Mandatierung einige Punktsiege für Robert Tönnies landen. Insbesondere in der Frage des Doppelstimmrechts setzte er sich vor dem LG Bielefeld gegen seinen Onkel Clemens durch. Der Fall liegt jetzt beim OLG Hamm. In dem Verfahren um den Widerruf der Schenkung eines Unternehmensanteils von Robert an seinen Onkel hat das LG Bielefeld für den 10. November einen Termin angesetzt. Robert will die Schenkung rückgängig machen, weil er sich von Clemens hintergangen fühlt. (Volker Votsmeier)

 

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