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01.10.2014

Mifa: Flöther & Wissing und hww für insolventen Fahrradhersteller im Einsatz

Nach monatelangen Versuchen, den Fahrradhersteller Mifa finanziell zu sanieren, befindet sich dieser seit Montag in einem Insolvenzverfahren mit Eigenverwaltung. Mit der Sachwaltung beauftragte das Amtsgericht Halle den Insolvenzrechtler Dr. Lucas Flöther von Flöther & Wissing. Sanierungsexperte Dr. Stefan Weniger von hww Wienberg Wilhelm fungiert als Eigenverwalter.

Lucas Flöther

Lucas Flöther

Mifa wird seit gut einem halben Jahr von Görg bei der Restrukturierung beraten. Die Kanzlei kümmert sich mit einem Team um den Hamburger Partner Dr. Thorsten Bieg um die insolvenzrechtlichen Aspekte sowie mit einem weiteren Team um die Partner Dr. Christian Becker, Dr. Oliver Wilken sowie Dr. Klaus Felke um die finanzrechtlichen Restrukturierungsthemen. Aus dem Markt bekannt wurde überdies, dass Dr. Matthias Schüppen von Graf Kanitz Schüppen & Partner den Aufsichtsrat berät. Mit dem Einstieg eines Investors, Hero Cycles aus Indien, wollte Mifa seine finanzielle Stabilität verbessern, allerdings blieb die mehrfach angekündigte Finanzspritze bis zuletzt aus.

Brisant ist die vorerst gescheiterte Sanierung auch deshalb, weil wieder einmal zahlreiche Anleihegläubiger von der Krise betroffen sind. Mit der im Sommer 2013 ausgegebenen Anleihe hatte Mifa 25 Millionen Euro eingeworben. Damals beriet Ashurst mit einem Team um die Partner Matthias von Oppen und Dr. Tobias Krug den Emittenten. Die Kanzlei beriet auch in der Folge zur Investitionsvereinbarung mit Hero und im Kapitalmarktrecht. Für die Anleihegläubiger, die vermutlich einen Großteil ihrer Forderungen abschreiben können, tritt seit Ende Juli Frank Günther von One Square Advisors als gewählter gemeinsamer Vertreter auf.

Dem Vernehmen nach kam Flöthers Bestellung nicht ohne Widrigkeiten zustande. Externe Quellen berichten, der ursprünglich von den Gläubigern gebildete vorläufige Ausschuss hätte gerne zuallererst Dr. Jan Plathner von Brinkmann & Partner in der Rolle des Sachwalters gesehen. Das Gericht habe sich letztendlich mit einer Umbildung des vorläufigen Gläubigerausschusses die Möglichkeit geschaffen, eine Bestellung Plathners zu verhindern. Andere Quellen berichten, das Gericht habe in Abstimmung mit dem Unternehmen und dem Ausschuss Flöther bestellt, weil es von seiten der Gläubigerbanken kein eindeutiges Votum für Plathner gegeben habe.

Manche Insolvenzanwälte behaupten, dass Insolvenzrichter vereinzelt die Bestellung eines vorläufigen Gläubigerausschusses nach Paragraf 22a der Insolvenzordnung als letzte Bastion ihrer richterlichen Unabhängigkeit betrachten. Nach dieser Lesart verteidigen manche Richter so ihre Einflussmöglichkeit auf Insolvenzverfahren, die mit der ESUG-Reform 2012 deutlich beschnitten wurde. Pikanterweise betrafen zwei viel beachtete Fälle, in denen die Verwalterauswahl umstritten war, Beteiligte der aktuellen Insolvenz: So gelang es Q-Cells 2012 nicht, den Wunsch-Verwalter Hartwig Albers (damals Brinkmann & Partner, jetzt Görg) in die Verwalterrolle zu bringen. Das Gericht Dessau-Roßlau bestellte Henning Schorisch von hww. Und bei Dailycer in Stendal wurde 2012 zwar Lucas Flöther als Sachwalter bestellt, allerdings wehrten sich Gläubiger gegen die so empfundene Eigenmächtigkeit des Gerichts und setzten einen anderen Verwalter durch. (Markus Lembeck)

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