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19.12.2014

Großfusion im Insolvenzmarkt: Hermann macht gemeinsame Sache mit hww

Mit dem Zusammenschluss von hww Wienberg Wilhelm und Hermann entsteht Anfang Januar eine der größten auf Unternehmenskrisen spezialisierten Kanzleien Deutschlands. hww Hermann Wienberg Wilhelm, so der neue Name, zählt dann rund 120 Berufsträger inklusive Unternehmensberater und weitere rund 300 Mitarbeiter an 24 Standorten.

Ottmar Hermann

Ottmar Hermann

Ottmar Hermann erklärte in Frankfurt, die neue Kanzlei sei kein Franchisemodell. Man wolle eine faire und echte Partnerschaft begründen und eine einheitliche Gesellschaftsstruktur schaffen. Ziel sei es, eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen und eine am Markt führende Position zu erlangen. Rüdiger Wienberg schätzt, dass es in den nächsten Jahren einen deutlichen Konzentrationsprozess im Markt geben werde.

Letzte Fusion vor vier Jahren

Rüdiger Wienberg

Rüdiger Wienberg

Bereits 2011 hatte hww die Konkurrenz überrascht, als sie die Fusion mit der CMS Unternehmensberatung bekanntgab. Ursprünglich als reine Insolvenzverwalterkanzlei gestartet, hat hww den Zusammenschluss mit den Sanierungsberatern allerdings nie bedauert. In Zeiten niedriger Verfahrenszahlen konnte der auch auf Leistungswirtschaft und Strategie orientierte Beraterzweig etliche namhafte Aufträge wie die Bäckereigruppe De Mäkelbörger oder Mifa erringen und war auch regelmäßig für Verwalter anderer Kanzleien tätig.

Die fusionierte Kanzlei wird auf drei Säulen ruhen: der Sanierungsberatung durch Anwälte, der Restrukturierung durch Unternehmensberater und der Insolvenzverwaltung mit allen Facetten, also Regel- und Eigenverwaltung sowie Sachwalter-Rollen. In allen drei Bereichen ist die neue Einheit personell ungefähr gleich stark besetzt.

Neben der insolvenzrechtlichen Beratung gehören Immobilien-, Arbeitsrecht und der Bereich Distressed M&A zum breiten Spektrum der Kanzlei. Auch Litigation hat, etwa im Nachgang der Karmann-Insolvenz, für die Ottmar Hermann 2009 als Verwalter bestellt wurde, hohe Bedeutung. Im Herbst hatte hww ihr Anwaltsteam mit Prof. Dr. Peter Fissenewert verstärkt, der in Berlin von Buse Heberer Fromm kam.

Alle Partner ziehen mit

Soweit bekannt bleiben alle Partner der fusionierten Kanzleien weiter an Bord. Der jetzt entstehende Brainpool für Sanierung und Insolvenz, so Wienberg, solle auf der ganzen Zeitachse einer Unternehmenskrise zum Einsatz kommen. Die möglichen Interessenkonflikte speziell für die Verwalterbestellung habe man ganz klar im Blick. Die Reform der Insolvenzordnung (ESUG) im Jahr 2012 hat für Insolvenzexperten neue Möglichkeiten und neue Rollen geschaffen, die unter dem Aspekt der Unabhängigkeit vielfach diskutiert werden. Passenderweise gehört auch die Nutzung von Compliance-Management-Systemen zum Beratungsangebot von hww.

Fusionen unter reinen Verwalterkanzleien waren in der Vergangenheit nicht immer von langer Dauer. Mit unterschiedlicher Haltbarkeit hatten Kübler und Pluta, Wellensiek und Grub Brugger sowie Leonhardt und Westhelle größere Zusammenschlüsse gewagt und wieder beendet. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele wie BBL Bernsau Brockdorff & Partner, die jetzt seit über fünf Jahren am Markt ist. (Markus Lembeck)

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