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03.12.2014

Wiederausbau: Allen & Overy gewinnt Shearman-Kapitalmarktrechtler

Allen & Overy hat nach dem Weggang ihres aufstrebenden Partners Gernot Wagner zügig wieder Verstärkung für ihre Frankfurter Kapitalmarktpraxis gefunden: Zum Jahreswechsel steigt Marc Plepelits als Partner ein. Der 43-Jährige ist derzeit noch Partner bei Shearman & Sterling, für die er seit 2000 tätig ist.

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Marc Plepelits

Wie Wagner ist er als US-Anwalt qualifiziert. Für seine Begleitung zahlreicher Anleiheemissionen, Börsengänge und Kapitalerhöhungen vor allem mit US-Bezug genießt Plepelits einen hervorragenden Ruf. Zudem hat der Österreicher einige Erfahrung bei Kapitalmarktdeals in seinem Heimatland. Vor allem Bankenberatung prägte in den vergangenen Jahren seine Arbeit. Zuletzt begleitete er etwa die Banken bei mehreren High-Yield-Anleihen der Schaeffler-Gruppe, ebenso das begleitende Konsortium bei einer milliardenschweren Kapitalerhöhung der österreichischen Raiffeisen Bank International.

Nach Wagners Wechsel zu White & Case war Plepelits unter Marktbeobachtern schnell einer der am meisten gehandelten möglichen Ersatzkandidaten, erfüllt er doch mit seiner großen Erfahrung in zahlreichen internationalen Top-Deals eine wesentliche Voraussetzung für die ambitionierte Kapitalmarktpraxis von Allen & Overy, die nicht viele US-qualifizierte Partner vorweisen können. Dass er bereits im Sommer 2013 im Zuge der enormen personellen Unruhe bei Shearman & Sterling kurz vor dem Absprung zu White & Case stand und erst in letzter Sekunde zum Bleiben bewegt werden konnte, sorgte für anhaltende Wechselgerüchte im Markt .

Umbruch im Allen & Overy-Kapitalmarktteam
Für Allen & Overy ist sein Einstieg ein wichtiger Schritt zum dringend benötigten Wiederausbau der zuletzt unter einiger Fluktuation leidenden Kapitalmarktpraxis. Mit Wagner waren mehrere Associates zu White & Case gewechselt, weitere schlossen sich anderen Adressen an. Ihre Ambitionen, im Kapitalmarktrecht zu den Marktführern aufzurücken, musste Allen & Overy daraufhin zunächst hintanstellen.

Doch auch nach dem Wechsel von Plepelits bleiben in der Praxis noch Baustellen. Auch wenn ihm Associates bei seinem Wechsel folgen sollten – was noch nicht feststeht –, ist weitere Verstärkung der ausgedünnten Associateebene gleichwohl nötig. Daneben stellte sich zuletzt auch in der Fremdkapitalmarktpraxis der Erfolg trotz einiger Investitionen in personellen Ausbau nicht wie erhofft ein. Derzeit ist auch dort ein Umbruch im Gange, einige Anwälte mit Erfahrung wie etwa Dr. Patrick Scholl (zu Mayer Brown) gingen zuletzt. Zudem wird zum Jahresende der 2012 dazu geholte, angesehene Anleihenspezialist Dr. Berthold Kusserow ausscheiden.

Erneuter Rückschlag für Shearman
Zurückgeworfen wird durch den Weggang von Plepelits auch Shearman. Die Kapitalmarktpraxis zeigte zuletzt wieder einen Aufwärtstrend, nachdem sie zuvor durch die Weggänge mehrerer wichtiger Partner stark geschwächt worden war. So gingen vor knapp drei Jahren die beiden angesehenen Kapitalmarktpartner Dr. Stephan Hutter und Dr. Katja Kaulamo zu Skadden Arps Slate Meagher & Flom, 2013 dann auch der an der Schnittstelle von Corporate-Arbeit und Kapitalmarktrecht tätige Partner Dr. Hans Diekmann zu Allen & Overy.

Als die Sozietät dann im vergangenen Jahr Plepelits halten konnte und wenig später Ulrich Weidemann von Freshfields Bruckhaus Deringer dazu stieß, schienen die größten Nöte überwunden. Die Frankfurter Kapitalmarktpraxis zählt neben dem Counsel Weidemann noch drei Associates. In Fragen mit US-Bezug arbeitet die Praxis indes traditionell eng mit dem Londoner Büro zusammen. (René Bender)

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