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02.02.2015

Clifford unter Druck: Private-Equity-Chef Felsenstein wechselt zu Latham

Clifford Chance verliert zwei ihrer bekanntesten Private-Equity-Partner an die US-Wettbewerberin Latham & Watkins. Der Frankfurter Oliver Felsenstein (54), bisher Co-Leiter der weltweiten Private-Equity-Praxis, wechselt zusammen mit Burc Hesse (44), einem der besonders anerkannten Partner der jüngeren Generation aus dem Münchner Büro. Der Wechselzeitpunkt steht indes noch nicht fest.

Oliver Felsenstein

Oliver Felsenstein

Beide Kanzleien stehen im Private-Equity-Segment an der Marktspitze, was den Wechsel besonders brisant macht. Dem Vernehmen nach unternahm Clifford in den vergangenen Tagen auch erhebliche Anstrengungen, um vor allem Felsenstein zu halten. Sein Weggang trifft die Kanzlei ins Mark. Er kommt zudem überraschend, weil Felsenstein eng mit dem neuen Managementkurs von Clifford verbunden war. Er spielte nicht nur eine wesentliche Rolle bei der Ende 2014 angekündigten Umstrukturierung der Partnerschaft, sondern übernahm auch erst vor wenigen Monaten die Verantwortung für die gesamte deutsche Corporate-Praxis. Diese Position legte Felsenstein mit der Ankündigung seines Wechsels schon nieder.

Burc Hesse

Burc Hesse

Felsenstein, der 2005 von Lovells (heute Hogan Lovells) zu Clifford gewechselt war, war hierzulande etwa für die wichtige Beziehung zur Stammmandantin Permira zuständig. Darüber hinaus hatte er für die Kanzlei auf große Investments spezialisierte Akteure wie Cinven und Clayton Dubilier Rice als Mandanten gewonnen. Hinzu kommt eine lange Reihe von Deals mittelgroßer Volumina für HgCapital.

Hesse wiederum, der schon als Associate mit Felsenstein eng zusammenarbeitete, hatte sich nicht zuletzt nach seinem Wechsel vom Frankfurter ins Münchner Büro ein Profil als einer der erfolgreichsten Private-Equity-Anwälte im sogenannten Mid-Cap-Segment erarbeitet. So beriet er Chequers Capital zuletzt bei allen ihren Deals in Deutschland.

Dr. Peter Dieners, seit September neuer Deutschland-Chef der Kanzlei, gibt sich trotz des Abgangs der beiden Leistungsträger kämpferisch: „Unser Private-Equity-Beratungsangebot ist und bleibt marktführend. Wir können uns auf eine breite Mandantenbasis stützen und sind national wie auch international erstklassig aufgestellt“, so Dieners.

Umbruch bei Clifford zu erwarten

Tatsächlich verbleiben bei Clifford einige bekannte Transaktionsexperten in der Partnerriege, darunter der Brite Christopher Kellett, der seit den 1990er-Jahren in Deutschland aktiv ist und mehrere große Private-Equity-Häuser wie CVC, KKR und Cinven regelmäßig berät. Nach JUVE-Informationen leitet er künftig das deutsche Private-Equity-Team. Anerkannt ist auch Dr. Thomas Krecek, in München wiederum unterhält Kerstin Kopp langjährige Beziehungen zum Investor 3i. Dennoch ist zu erwarten, dass auch weitere interne Beförderungen folgen. Erst im Vorjahr hatte die Kanzlei Joachim Hasselbach zum Partner ernannt.

Darüber hinaus hatte Clifford im Zuge ihrer aktuellen Umstrukturierung 2014 angekündigt, zukünftig offen für Quereinsteiger zu sein. Wie ernst es ihr damit ist, zeigt die Ankündigung des neuen weltweiten Managing-Partners Matthew Layton, das Lockstep-System – seit Jahrzehnten wichtiges Prinzip der Partnerschaft – erneuern zu wollen. Laut dem britischen Fachblatt ,The Lawyer‘ soll es künftig für Plateau-Partner weniger Lockstep-Punkte geben. Mit Extra-Punkten sollen aber die belohnt werden, die für besonders viel Umsatz sorgen, heißt es in dem aktuellen Bericht.

Konsequente Latham-Strategie

Für Latham steht die Investition in die beiden Neupartner in einer Reihe von Schritten, mit denen sie ihre Private-Equity-Praxis seit Langem zielstrebig ausbaut. Die Kanzlei, in den USA etwa für ihre feste und langjährige Beziehung zum Branchenriesen The Carlyle Group bekannt, eroberte mithilfe von Quereinsteigern auch in Europa systematisch Marktanteile. In Deutschland verpflichtete sie dabei eine ganze Reihe hochkarätiger Zugänge: Schon 2003 wechselte Dr. Hans-Jürgen Lütt mit Mandatsbeziehungen zu BC Partners und Apollo von Luther zu Latham. 2005 kam dann Dr. Jörg Kirchner von Ashurst, bekannt für seine starken Beziehungen zu den Investoren Bain und Onex, 2006 Dr. Dirk Oberbracht von Baker & McKenzie, der enge Kontakte zu One Equity Partners pflegt.

Für Kirchner kommt der anstehende Wechsel von Felsenstein und Hesse während der derzeitigen Regeneration des Private-Equity-Markts gleich doppelt gelegen: „Die Finanzierungsbedingungen für Beteiligungsgesellschaften sind ausgezeichnet, und ihre hohe Aktivität bietet bedeutende Wachstumschancen für uns – ein idealer Zeitpunkt, um das Team mit diesen zwei gefragten Kollegen zu verstärken.“ (Eva Flick, Antje Neumann)

 

 

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