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20.03.2015

Ins zweite Glied: Sven Thomas zieht sich als Breuer-Verteidiger im Kirch-Komplex zurück

Überraschende Nachricht aus Düsseldorf: Sven Thomas, einer der führenden Strafverteidiger Deutschlands, wird im anstehenden Prozess gegen fünf aktuelle und ehemalige Deutsche Bank-Vorstände nicht an der Seite des beschuldigten Ex-Vorstandschefs Rolf Breuer stehen. In einer Erklärung, die JUVE vorliegt, führt Thomas persönliche Gründe an, die „keinen Bezug zur Sache oder zur Person des Mandanten“ haben.

Sven Thomas

Thomas bleibt jedoch weiter Teil der Verteidigungsmannschaft von Breuer. Er befasst sich seit 2002 intensiv mit dem Fall Breuer, künftig will er dies aber nur noch unterstützend außerhalb des Gerichtssaals tun. Auf Nachfrage von JUVE wies er ausdrücklich darauf hin, dass er das Mandat nicht niederlegt. „Nach einer intensiven Hauptverhandlung in anderer Sache im Frühjahr und Sommer 2014 – ebenfalls in München – ist eine weitere Hauptverhandlung – mit einem vergleichbaren Aufwand – nicht mit meiner Lebensplanung vereinbar“, so Thomas. Damit tritt der Düsseldorfer Strafverteidiger verschiedenen Stimmen im Anwaltsmarkt entschieden entgegen, die sich heute sehr überrascht über sein Zurücktreten in die zweite Reihe zeigten.

Im vergangenen Jahr hatte Thomas den Formel-1-Chef Bernie Ecclestone in dessen Bestechungsprozess vor der Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht München verteidigt, der mit einer Einstellung gegen Zahlung einer Geldauflage von 75 Millionen Euro endete. In dem monatelangen Verfahren stand neben Ecclestone teils auch Thomas selbst im Zentrum des medialen Interesses. Während Thomas für seine strategische Verfahrensführung in Anwaltskreisen viel Respekt entgegengebracht wurde, sorgte die Einstellung gegen hohe Geldauflage für eine wochenlange öffentliche Debatte über die Gerechtigkeit und Sinnhaftigkeit von Deals im Strafprozess.

Nach Thomas‘ Entscheidung wird Rolf Breuer in der Ende April beginnenden Hauptverhandlung alleinig von Dr. Norbert Scharf von der Kanzlei Grub Brugger & Partner verteidigt. Der Münchner Strafverteidiger begleitete den Ex-Vorstandssprecher der Deutschen Bank bereits in einem früheren Strafverfahren, das vor einigen Jahren ebenfalls gegen Geldauflage eingestellt wurde. Scharf arbeitet seit Jahren eng mit Thomas zusammen, zuletzt unter anderem auch im Ecclestone-Fall. Der erfahrene Strafverteidiger stand daneben in den vergangenen Jahren dem früheren Drogerie-Unternehmer Anton Schlecker und dem Ex-Privatbanker Christopher Freiherr von Oppenheim zur Seite. (Marcus Jung)

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