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05.03.2015

Wölbern-Affäre: Bird & Bird wechselt Berater und setzt auf neue Abwehrstrategie

Bird & Bird will nun mit Kaye Scholer anstelle von Ince & Co die Schadensersatzklage abwehren, mit der die Kanzlei wegen ihrer Beratung des Emissionshauses Wölbern Invest konfrontiert ist. Ab sofort haben zudem die damals bei Bird & Bird verantwortlichen Anwälte eigene Prozessexperten an ihrer Seite. JUVE-Informationen zufolge hat sich die Kanzlei nach langen Überlegungen mit ihrem Berufshaftpflichtversicherer Travelers auf diese neue Abwehrstrategie verständigt. Travelers wird die Beratungskosten übernehmen.

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Michael Weigel

Bisher war Ince für Bird & Bird, den Counsel Dr. Ole Brühl sowie die zwei Ex-Partner Frank Moerchen und Thomas Demmel mandatiert. Weil es aber in dem anstehenden Prozess zwischen Bird & Bird und den einzelnen Anwälten zu Interessenkonflikten kommen könnte, splittet sich die Beratung künftig auf. Bird & Bird verlässt sich auf den bundesweit anerkannten Prozessexperten Dr. Michael Weigel, Frankfurter Partner bei Kaye Scholer. Dr. Antje Baumann, Partnerin der Hamburger Kanzlei Corinius, vertritt die Interessen von Brühl, und Tanja Pfitzner die von Thomas Demmel. Ince steht nach aktuellem Stand nur noch Moerchen zur Seite. Allerdings soll nach JUVE-Informationen noch nicht abschließend geklärt sein, wer Moerchen im Prozess begleitet. Von Moerchen liegt auf Anfrage bislang keine Stellungnahme vor. 

Zum Hintergrund: Ende Dezember hatten 30 Fonds sowie Insolvenzverwalter Tjark Thies die drei Anwälte sowie Bird & Bird verklagt. Der Vorwurf: Die Kanzlei beziehungsweise das Trio sollen elementare anwaltliche Pflichten verletzt haben und so dem Ex-Wölbern-Chef, Prof. Dr. Heinrich Schulte, ermöglicht haben, im großen Stil Gelder zu veruntreuen. Schulte muss sich derzeit vor dem Hamburger Landgericht wegen gewerbsmäßiger Untreue in besonders schwerem Fall verantworten. Ein Urteil wird für Mai erwartet. Dieses Verfahren brachte im Verlauf auch einige Ungereimtheiten zur Beratungsrolle der Kanzlei hervor, die teils auch Aufhänger für die Zivilklage sind.

Abwehrriege aufgesplittet, erfahrenes Trio kommt neu dazu

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Tanja Pfitzner

Für diese wappnet sich Bird & Bird mit einem langjährig etablierten Prozessexperten: Weigel war viele Jahre Teil der Linklaters-Prozesspraxis, ehe er 2008 zu Kaye Scholer wechselte. Ausschlaggebend für seine Mandatierung dürfte gerade seine Erfahrung bei der Abwehr von Schadensersatzansprüchen gewesen ein. Weigel gilt als äußerst akribischer und routinierter Berater. Neben der Arbeit in gesellschafts-, bank- und finanzrechtlichen Prozessen vertritt er auch Organe und Geschäftsführer in Haftungsklagen und berät in Compliance-Fällen. JUVE-Recherchen zufolge war Bird & Bird an rund eine Handvoll namhafte Adressen herangetreten, darunter mindestens eine deutsche Spitzenkanzlei.

Auch der ehemalige Partner Demmel hat künftig eine erfahrene Prozessexpertin an seiner Seite: Neun Jahre lang arbeitete Pfitzner bei Freshfields Bruckhaus Deringer und galt dort als wichtige Stütze der Prozesspraxis, bis sie Ende 2011 zu Dewey & LeBoeuf wechselte. Nach der Insolvenz der US-Kanzlei gründete sie eine eigene Boutique. Pfitzner gilt als sehr versiert und außergewöhnlich durchsetzungsstark.

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Antje Baumann

Corinius-Partnerin Baumann, die Brühl durch den Prozess begleiten wird, war wie Pfitzner ab 2002 viele Jahre für Freshfields tätig, zuletzt als Counsel. Sie wechselte 2010 als Partnerin zu Corinius und baute dort in der Folge eine Prozesspraxis auf. Weithin anerkannt ist sie vor allem für ihre Arbeit in gesellschaftsrechtlichen Streitigkeiten. Zu ihren Mandanten zählt unter anderem der Autozulieferer Continental.

Moerchen, Demmel und Brühl wird vorsätzlich pflichtwidriges Verhalten vorgeworfen. Dies berührt den Versicherungsschutz elementar. Während Bird & Bird nach JUVE-Recherchen selbst in diesem Falle wohl versichert wäre, würde dieser für die einzelnen Anwälte demnach wohl nicht gelten. (René Bender)

Lesen Sie mehr zu den Hintergründen im Wölbern-Komplex im aktuellen JUVE-Rechtsmarkt.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Artikel am 22.07.2019 aus presserechtlichen Gründen aktualisiert.

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