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28.04.2015

US-Kanzlei auf Diät: Orrick schließt Büros in Frankfurt und Berlin

Die US-Kanzlei Orrick Herrington & Sutcliffe schließt ihre Standorte in Berlin und Frankfurt und konzentriert sich in Deutschland auf Düsseldorf und München. Alle Anwälte der Berliner und Frankfurter Büros erhalten ein Angebot zur Weiterbeschäftigung an den anderen Standorten. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass etliche der betroffenen 17 Berufsträger die Kanzlei verlassen werden. 

Oliver Duys

Oliver Duys

Die Umstrukturierung in Deutschland ist Teil einer weltweiten Strategieänderung, die von dem neuen Chairman Mitch Zuklie vorangetrieben wird. “Wir sind der Überzeugung, dass Investitionen in Düsseldorf und München und in unsere Schwerpunktbereiche internationale M&A- und Technologietransaktionen sowie Dispute Resolution für unsere Mandanten weltweit am wichtigsten sind“, sagte Zuklie. „Dieser Schritt wird uns helfen, unsere strategisch wichtigen Tätigkeitsbereiche in Europa und weltweit noch besser zu integrieren.”

“Wir haben zusammen mit dem Global Senior Management als Teil der weltweiten Strategie die Entscheidung getroffen, uns auf die Standorte und Schwerpunktbereiche zu konzentrieren, die aus unserer Sicht für unsere Mandanten und unsere Sozietät am wichtigsten sind“, sagte der deutsche Managing-Partner Dr. Oliver Duys. „Natürlich wären wir sehr traurig, wenn diese Entscheidung zum Weggang unserer exzellenten und sehr erfolgreichen Kollegen führte. Wir befinden uns derzeit aber in Gesprächen mit den betroffenen Partnern und hegen die Hoffnung, dass sich einige für einen Wechsel nach Düsseldorf oder München entscheiden werden.”

Besonders betroffen ist die Berliner Immobilienpraxis von Orrick. Partner Dr. Norbert Impelmann hatte schon das Büro für Vorgängerkanzlei Hölters & Elsing aufgebaut, bevor sie 2008 mit Orrick fusionierte. Impelmann hat eine bedeutsame Notariatspraxis; um diese weiterzuführen, muss er in Berlin ansässig sein. In der Hauptstadt arbeiten drei Equity-Partner und fünf Associates. Auch in Frankfurt gibt es ein Team unter Prof. Dr. Martin Meißner, das 2012 zu Orrick gestoßen ist, dessen Zukunft unklar bleibt. Zum Frankfurter Büro gehören ebenfalls drei Equity-Partner sowie drei Counsel und drei Associates.

Die Orrick-Partner in Berlin und Frankfurt bedauern gegenüber JUVE die Entscheidung zur Standortschließung: „Das gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass die Arbeit in den in Berlin und Frankfurt praktizierten Bereichen Immobilien, Vergaberecht, Schiedsverfahren und Venture Capital bisher sehr erfolgreich war.“ Sie kündigten an, sie würden „die Optionen in engem Austausch mit dem Kanzleimanagement und den Mandanten sorgfältig prüfen“.

Der Standort am Main war seit Jahren ein Problemkind der Kanzlei. Nachdem 2004 die zwei Gründungspartner des Frankfurter Hölters & Elsing-Standortes die Sozietät verlassen hatten, konnte auch Orrick später keine stabile Mannschaft aufbauen. 2009 kam etwa Linklaters-Partnerin Dr. Annette Bödeker dazu, wechselte jedoch 2012 zu Kaye Scholer. Im selben Jahr verließ auch ein bekanntes Vergaberechtsteam um Prof. Dr. Heiko Höfler die Kanzlei in Richtung Bird & Bird.

Das Düsseldorfer Stammbüro der Kanzlei hat sich stabiler gezeigt, obwohl der ehemalige Namenspartner Dr. Wolfgang Hölters 2012 zu Jones Day wechselte. Der frühere Managing-Partner Dr. Arno Frings gründete erst im Februar dieses Jahres eine eigene Kanzlei. Dafür kam Ende 2014 ein IP-Partner von BDO Legal, um diese Kernkompetenz von Orrick hier in Deutschland aufzubauen.

Der jetzige Schritt erinnert stark an den Verkleinerungskurs von Shearman & Sterling vor zwei Jahren. Die US-Kanzlei schloss 2013 ihre Büros in Düsseldorf und München und konzentrierte sich auf den Standort Frankfurt. (Aled Griffiths)

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