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21.04.2015

WP-Großfusion: RBS und Mazars wollen auch Rechtsberatung stärken

Der nächste große Zusammenschluss zweier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften steht an. Am heutigen Dienstag kündigten die auf den Mittelstand fokussierte deutsche multidisziplinäre Partnerschaft RBS RoeverBroennerSusat und die große französische WP-Gesellschaft Mazars ihr Zusammengehen an. In Deutschland entsteht so die achtgrößte WP-Gesellschaft. An der Aufstellung in der Rechtsberatung ändert sich durch die Fusion praktisch nichts – dafür war die Rechtsberatungssparte bei Mazars zu unbedeutend.

Henning Michels

Henning Michels

Der Zusammenschluss hat seine Ursache in den massiven Änderungen im WP-Markt, die die EU-Kommission vorantreibt. Um die vermeintliche Übermacht der Big-Four-Gesellschaften Deloitte, PricewaterhouseCoopers, Ernst & Young und KPMG zu brechen, soll es künftig eine Pflichtrotation bei der Prüfung bedeutender Konzerne geben sowie eine Trennung zwischen Prüfung und Beratung. Dies führt nach Überzeugung der neuen Partner zu einer verstärkten Mandatierung über Ausschreibungen und zu steigendem Kostendruck.

„Erst das Überschreiten einer kritischen Größe sichert zukünftig die Positionierung im Kreis vorbehaltlos mandatierbarer Prüfungs- und Beratungsgesellschaften“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung. Weltweit steht Mazars für einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro und eine Präsenz in 73 Ländern. Zum Jahresanfang zählte die Gesellschaft 770 Partner und insgesamt 15.000 Mitarbeiter.

In Deutschland sind die Größenverhältnisse andersherum. Hier ist RBS der größere Partner. Die in der heutigen Form seit 2011 existierende Gesellschaft kam zuletzt auf einen Umsatz von knapp 80 Millionen Euro, Mazars stand für etwas über 30 Millionen Euro. Mit zusammengerechnet 111 Millionen Euro landet die fusionierte Gesellschaft auf Platz acht der einschlägigen Lünendonk-Liste der größten WP-Gesellschaften Deutschlands.

Kaum Auswirkungen im Rechtsberatungsmarkt

Im Rechtsberatungsmarkt wird der Zusammenschluss zunächst keine große Spuren hinterlassen. Mit deutschlandweit 57 Anwälten zählt RBS zu den mittelgroßen Wirtschaftskanzleien hierzulande. Die Schwerpunkte liegen in der Beratung der Gesundheitsbranche, im Gesellschafts- und Steuer- sowie Arbeitsrecht. Die mit Abstand meisten Anwälte sind im Berliner Büro beschäftigt.

Mazars beschäftigt knapp zehn eigene Rechtsanwälte, die vor allem steuerrechtlich ausgerichtet sind. In Deutschland hat die WP-Gesellschaft – auch aus berufsrechtlichen Gründen in Frankreich – bislang vor allem auf Allianzen mit Anwaltskanzleien gesetzt und eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

So war in Frankfurt die (nicht mehr existierende) Kanzlei Heide lange fester Kooperationspartner. Zwischenzeitlich hatte sich auch ein Beratungsteam um den ehemaligen Namenspartner von Haarmann Hemmelrath, Prof. Dr. Alexander Hemmelrath, der Gesellschaft angeschlossen. Zudem war das frühere Kölner Büro von Aderhold zeitweise Teil des ehemaligen Mazars-Anwaltsverbunds Marccus.

Mittlerweile verfügt Mazars über ein internationales Anwaltsnetzwerk namens MarcAlliance. Diesem schließt sich die neu entstehende, künftig unter RoeverBroennerSusat Mazars Rechtsanwälte firmierende Anwaltssparte an. Der neue Leiter der deutschen Service Line Legal, Dr. Henning Michels (39), ist überzeugt, durch das Zusammengehen auch das internationale Mazars-Anwaltsnetzwerk zu stärken.

Bisheriges MarcAlliance-Mitglied in Deutschland war allein die kleine Frankfurter Kanzlei Belmont Legal um den früheren Heide-Partner und anerkannten Frankreich-Experten Lutz Hartmann (43). Hartmann ist Vorstandsmitglied bei MarcAlliance und derzeit mit der Afrika-Expansion des Netzwerks betraut. Zudem hat er nach eigenen Worten maßgeblich die Aufnahme der englischen Kanzlei Cripps Harries Hall zum Anfang des Jahres bei MarcAllliance vorangetrieben.

Neben RBS bleibt auch Belmont Legal aller Voraussicht nach Mitglied bei MarcAlliance. (Jörn Poppelbaum)

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