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07.05.2015

Leistungsorientierter: Clifford weicht Lockstep-System auf

Clifford Chance hat beschlossen, ihr Vergütungssystem deutlich flexibler und leistungsorientierter zu gestalten. Dies soll es der Kanzlei erleichtern, außergewöhnlich starke Partner in ihren Reihen zu halten beziehungsweise dazuzugewinnen sowie weniger starke Partner herunterzustufen. Zunächst sollen die Veränderungen in Deutschland eingeleitet werden, bevor sie kanzleiweit eingeführt werden. Kanzleikenner bestätigten gegenüber JUVE mehrere übereinstimmende Berichte britischer Branchenmedien. Die Kanzlei wollte auf JUVE-Nachfrage keinen Kommentar abgeben.

Den britischen Medien zufolge will Clifford zwei neue Stufen für Spitzenpartner einführen: Sie sollen künftig im internen Punktesystem anstelle von 100 Punkten bis zu 115 beziehungsweise 130 Punkte erreichen können und entsprechend mehr Gewinne entnehmen. Weniger starke Partner sollen im Punktesystem auf bis zu 70 Punkte herabgestuft werden können. Unklar bleibt, durch welche Kriterien exakt festgelegt wird, ob ein Partner hoch- oder heruntergestuft wird. Für sogenannte Plateau-Partner könnte ein Superpunkte-Gewinntopf in Höhe von 2,3 Millionen britischen Pfund eingeführt werden, berichtet ‚The Lawyer‘. Bislang nutzt die Kanzlei einen einheitlichen Gewinntopf.

Angestoßen hat die Veränderungen Matthew Layton, seit Ende 2013 neuer globaler Chef der Kanzlei. Im Januar dieses Jahres hatte die Sozietät bestätigt, ihr Vergütungssystem zu überprüfen. Clifford hatte zuletzt in Europa einige starke Partner an Wettbewerber verloren, insbesondere an US-Kanzleien mit einem deutlich leistungsorientierteren Vergütungssystem. In Deutschland ging etwa der Private-Equity-Partner Oliver Felsenstein Anfang Mai zu Latham & Watkins.

Parallel dazu restrukturiert die Kanzlei ihre Partnerschaft, im Zuge dessen haben in den vergangenen Wochen mehrere Partner die deutsche Praxis verlassen. Allerdings ernannte die Sozietät zu Beginn dieses Monats auch drei Corporate-Spezialisten zu Partnern. In maßgeblichen Beratungsfeldern wie etwa Corporate hatte Clifford in den vergangenen Jahren gegenüber zentralen Wettbewerbern wie Freshfields Bruckhaus Deringer, Hengeler Mueller und auch Linklaters an Boden verloren. Das spiegelte sich zuletzt auch in den Umsätzen wider. Im Geschäftsjahr 2013/14 verbuchte Clifford mit einem Plus von 3,7 Prozent allenfalls einen moderaten Zuwachs, während Freshfields um 6,3 Prozent und Linklaters um 9,6 Prozent zulegten. (René Bender)