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05.05.2015

Nächste MDP-Fusion: Baker Tilly Roelfs und TPW-Gruppe gehen zusammen

Die Konzentration im Markt der multidisziplinären Einheiten setzt sich fort: Baker Tilly Roelfs und die Hamburger TPW-Gruppe werden sich zusammenschließen. Damit verstärkt sich Baker Tilly Roelfs mit 20 Partnern und 250 Mitarbeitern in der Hansestadt und setzt ihren Ausbau in Norddeutschland fort.

Ralf Gröning

Ralf Gröning

Die Sozietät TPW Todt & Partner, eine der größten partnerschaftlich geführten interdisziplinären Kanzleien in Hamburg, bündelt Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Rechtsberatung sowie Financial Service. Ihre Schwerpunkte liegen unter anderem im Bereich Alternatives Investmentvermögen (AIFM) und Kapitalanlagerecht, sowie im maritimen Sektor.

Die zehn TPW-Rechtsanwälte – teilweise zugleich Steuerberater – erbringen ihre Beratung bislang durch die Tochterfirma TPW Law.  Neben klassischen wirtschafts-  und steuerrechtlichen Themen decken sie unter anderem auch Insolvenzrecht, Fondskonzeption, Arbeits- und Erbrecht sowie außergerichtliche Konfliktlösungen ab, teilte Baker Tilly Roelfs mit. Durch die Fusion werden sie auch Teil des internationalen Netzwerks Baker Tilly International.

„Unsere Beratungsbereiche ergänzen sich inhaltlich ganz ausgezeichnet“, so Ralf Gröning, Mitglied des zweiköpfigen Management Boards von Baker Tilly Roelfs, gegenüber JUVE. So sieht er beispielsweise in der insolvenznahe Beratung von TWP mögliche Synergieeffekte zum Restrukturierungsschwerpunkt  seiner multidisziplinären Teams. „Zum anderen liegen auch in geografischer Hinsicht die Vorteile dieses Zusammenschlusses auf der Hand“, so Gröning.

Durch den Schulterschluss, der noch endgültigen Vollzugsvereinbarungen unterliegt und sich langfristig auch in einem gemeinsamen Marktauftritt manifestieren soll, avanciert Hamburg nach München zum zweitgrößten Rechts- und Steuerberatungsstandort von Baker Tilly Roelfs.

Es entsteht eine neue Top-Ten-Einheit

Die fusionierte Einheit dürfte sich auf Platz 8 der größten Prüfungsgesellschaften Deutschlands im einschlägigen Ranking des Analysten Lünendonk vorschieben – noch vor RBS RoeverBroennerSusat, die erst vor Kurzem den Zusammenschluss mit dem französischen Wirtschaftsprüfer Mazars angekündigt hatte.

Aus der gemeinsamen Gruppe erwartet das Baker Tilly Roelfs-Management einen Jahresumsatz von knapp 135 Millionen Euro, die mit rund 1.050 Mitarbeitern an zwölf Standorten in Deutschland erzielt werden könnten. Auch 2013 rangierte Baker Tilly Roelfs mit einem Jahresumsatz von 93 Millionen auf Platz acht hinter Rödl & Partner (Platz 6, 160,9 Millionen Euro) und Ebner Stolz (Platz 7, 150 Millionen). TPW lag danach mit einem Umsatz von knapp 27 Millionen Euro auf Platz 18.

Baker Tilly hatte sich im letzten Jahr bereits mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Karl Berg sowie der Beratungsgesellschaft Business & Finance Consulting Services GmbH (BFCS) in Düsseldorf verstärkt und im Sommer das Team um Dr. Peter Eggers aus dem Berliner Stammsitz der MDP-Kanzlei RBS RoeverBroennerSusat hinzugewonnen. Weiterhin kam im Herbst der Steuerexperte Joachim Knief von KPMG hinzu. Nach dem Wechsel des versierten Vergabrechtlers Dr. Stefan Pooth zu Buse Heberer Fromm holte Baker Tilly den Öffentlich-Rechtler Dr. Christian Teuber von PricewaterhouseCoopers Legal zurück.

Der WP-Beratermarkt ist seit einiger Zeit in starker Bewegung, nicht zuletzt aufgrund der neuen Mandatierungsauflagen, die die EU-Kommission durchsetzen möchte. Künftig soll es eine Pflichtrotation bei der Prüfung bedeutender Konzerne geben, sowie eine Trennung zwischen Prüfung und Beratung. Demnach dürften viele langjährige Mandate die nächsten Jahre neu ausgeschrieben werden. Die mittelgroßen Verfolger der Big-Four-Prüfungsriesen versuchen daher, frühzeitig gute Kontakte in die Industrie zu bündeln, um sie dann im Hinblick auf Prüfungs- und Beratungstätigkeiten ausbauen zu können. (Sonja Behrens)

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