Artikel drucken
07.08.2015

BER-Gebäudeausrüster insolvent: Reimer-Partner verwaltet Imtech

Im Zeitplan für den neuen Berliner Großflughafen BER drohen weitere Verzögerungen: Die deutsche Tochter des niederländischen Konzerns Royal Imtech, eine der zentralen BER-Ausrüsterfirmen, hat beim Amtsgericht Hamburg Insolvenz angemeldet. Insolvenzrichter Frank Frind bestellte Peter-Alexander Borchardt (53) von der Kanzlei Reimer zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Reimer gehört zu den Aufsteigern in der Hamburger Insolvenzverwalterszene. Neben Borchardt wurde zuletzt vor allem Dr. Tjark Thies für aufsehenerregende Verfahren wie das des skandalgeschüttelten Emissionshauses Wölbern bestellt. Die Kanzlei war 2012 aus dem Zusammenschluss dreier Hamburger Verwaltereinheiten entstanden. Anfang 2014 schloss sich dann ein Team um den Kieler Verwalter Reinhold Schmid-Sperber der Kanzlei an. Dieser verwaltete zuletzt die insolvente MS Deutschland.

Die wesentlichen Gläubiger von Imtech hatten nach JUVE-Recherchen zunächst mehrheitlich einen anderen Verwalter favorisiert, der jedoch nicht zu den regelmäßig bestellten Verwaltern des zuständigen Insolvenzrichters gehört. Aus einem Kreis weiterer von den Gläubigern gemachter Vorschläge wählte das Gericht dann letztlich Borchardt aus. Zuvor hatte es konstruktive Gespräche gegeben, wie sowohl das Gericht als auch Dr. Thorsten Bieg, Partner bei Görg und in der Kanzlei federführend mit der Vorbereitung des Insolvenzantrags für Imtech betraut, JUVE gegenüber betonten.

Das Amtsgericht Hamburg steht als Insolvenzgericht mitunter für seine Bestellpraxis in der Kritik. Dies sorgte schon für skurrile Begebenheiten: Als die Baumarktkette Praktiker 2013 Insolvenzantrag stellte, wurden die Namen von Tochterfirmen vor dem Antrag geändert, um die Zuständigkeit eines bestimmten Richters zu umgehen. Später hatte das Insolvenzgericht dann die Verteilung der Insolvenzfälle von dem Kriterium Anfangsbuchstabe auf eine Vergabe nach laufender Nummer umgestellt.

Die börsennotierte Gebäudetechnikfirma Royal Imtech ist mit knapp zwei Milliarden Euro verschuldet. Eine im vergangenen Jahr beabsichtigte Kapitalerhöhung zum Zweck der finanziellen Sanierung scheiterte, Presseberichten zufolge gehört den finanzierenden Banken deshalb knapp die Hälfte der Aktien. Allein die Deutschland-Tochter mit rund 3.500 Mitarbeitern und über 900 Millionen Euro Umsatz hat in den vergangenen Jahren Verluste in Höhe von 290 Millionen Euro gemacht.

Sie steht als Technologieausrüster beim noch nicht eröffneten Pannenflughafen Berlin (BER) seit Jahren unter anderem wegen Verzögerungen beim Bau in der Kritik. Gegen ehemalige Manager des Unternehmens ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg zudem wegen des Verdachts der Untreue. Hengeler Mueller hatte das Unternehmen bei internen Untersuchungen und dem Versuch der finanziellen Restrukturierung begleitet. Görg betreute Imtech Deutschland soweit bekannt bei der Vorbereitung des Insolvenzantrags. (Markus Lembeck)

  • Teilen