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18.08.2015

Im Gespräch mit Noerr: Digitalisierung als große Herausforderung

Ab Januar treten Dr. Tobias Bürgers und Dr. Alexander Ritvay eine zweite Amtszeit als Managing-Partner von Noerr an. Bürgers erklärt im Gespräch mit JUVE, welches die größten Herausforderungen für die Kanzlei sind.

Tobias Bürgers

Tobias Bürgers

JUVE: Herr Bürgers, vor Kurzem hat die Partnerversammlung von Noerr Sie zusammen mit Herrn Ritvay als Managing-Partner der Kanzlei bestätigt. Was haben Sie sich für Ihre kommende dreijährige Amtszeit vorgenommen?
Tobias Bürgers: Es gibt vor allem ein Thema, das uns bewegt. Das ist die Digitalisierung der Wirtschaft, Stichwort Industrie 4.0. Sie überlagert zusehends alle unsere Praxisbereiche und stellt unsere Mandanten ebenso wie uns Kanzleien vor große Herausforderungen. Wir müssen auf diese Entwicklung reagieren, intern und extern, und uns den Bedürfnissen unserer Mandanten anpassen. Das ist eine große Aufgabe für die nächsten Jahre, mit der wir bereits begonnen haben.

Wie setzen Sie dies konkret um?
Zum einen werden wir selbst digitaler. In immer mehr Bereichen verwenden wir Software, mit der wir unsere Arbeit beschleunigen und mehr Daten verarbeiten können, um ein besseres Ergebnis für unsere Mandanten zu erzielen. Zum anderen arbeiten wir daran, die Spezialisierung in den technikgetriebenen und regulatorischen Bereichen voranzutreiben. Denn die Nachfrage ändert sich. Heute müssen wir uns nicht mehr nur mit einer klassischen Bankfinanzierung auseinandersetzen. Vielmehr werden die neuen Fintech-Transaktionen, die innovative, online-basierte Geschäftsmodelle in den Markt bringen, ganz neue rechtliche Fragen auf. Hier sind wir Vorreiter.
Mit der steigenden Spezialisierung werden wir gleichzeitig die Kommunikation zwischen den Praxisgruppen intensivieren. Es muss ein permanenter Austausch darüber stattfinden, wo neue Bedürfnisse auftauchen und wie diese am besten befriedigt werden können. So können fachübergreifend optimale Teams mit hoher Spezialisierung und großem Marktverständnis entstehen.

Gibt es im Rahmen dieses Prozesses Fachbereiche, die künftig weniger benötigt werden als vorher?
Nein, die gibt es nicht. Noerr zeichnet sich durch ein spezialisiertes, aber breites Beratungsangebot aus und das soll auch so bleiben. Vielmehr gilt es, unsere Praxisbereiche entsprechend der aufgezeigten Digitalisierungsstrategie weiterzuentwickeln und zu verknüpfen. Das geschieht sukzessive und nicht abrupt.

Gehört zu einer Kanzlei, die sich den Herausforderungen der Industrie der Zukunft stellt, noch mehr als nur Rechtsberatung?
Vorstellbar ist, dass große Kanzleien langfristig nicht nur Rechtsberatung, sondern auch Unternehmensberatung und IT-Lösungen anbieten. Aber das ist (noch) reine Zukunftsmusik.

Während sich Noerr auf die Industrie 4.0 einstellt, hat die Kanzlei auch zahlreiche Quereinsteiger aufgenommen. Jüngstes Beispiel ist die Immobilienrechtlerin Annette Pospich, die von Orrick kam. Wie groß soll Noerr noch werden?
In dieser Hinsicht denken wir nicht in Zahlen. Denn Mengenwachstum an sich ist kein Ziel für uns. Die Kanzlei wächst, weil sie erfolgreich ist. Das zieht Quereinsteiger an. Wir haben aber viele eigene Talente, die wir fördern. Quereinsteiger nehmen wir nur gezielt in strategischen Bereichen an Bord.

Das Gespräch führte Christin Nünemann.

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