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25.09.2015

Abgas-Skandal: Jones Day soll es richten

Die US-Kanzlei Jones Day ist Medienberichten zufolge mit der internen Untersuchung des Abgas-Skandals bei VW beauftragt worden. Das ‚Handelsblatt‘ zitiert ein Mitglied des Aufsichtsrats am Rande der Aufsichtsratssitzung am heutigen Nachmittag. Das Gremium wolle das Mandat in der Aufsichtsratssitzung vergeben. Die Kanzlei wollte das weder bestätigen noch dementieren.

JUVE-Informationen zufolge bringen sich auch andere Kanzleien in Stellung, die für die umfassende interne Aufarbeitung des Skandals infrage kommen. Es wird spekuliert, ob überhaupt eine einzelne Kanzlei damit beauftragt wird, die Vorwürfe aufzuklären oder ob eine interne Untersuchung auf mehrere Kanzleien aufgeteilt wird, denen unterschiedliche Rollen zugewiesen werden. Klar ist, dass es sich um ein immenses Datenvolumen handeln wird, das die mit der Untersuchung betrauten Anwälte sichten und analysieren müssen. Dabei kommen eigentlich nur Kanzleien mit großen US-Büros infrage, da der Hauptteil der Aufklärungsarbeit in den USA geleistet werden muss.

Mit Bezug auf den deutschen Markt wäre die Mandatierung von Jones Day eine echte Überraschung. Zwar bestehen bereits Kontakte zum VW-Konzern, vor allem über den Gesellschaftsrechtler Johannes Perlitt, der seit Jahren zu den Stammberatern des Autobauers zählt und 2014 von Clifford Chance wechselte. Allerdings war Jones Day hierzulande, soweit bekannt, nur selten mit Compliance-Fällen befasst. Insbesondere interne Untersuchungen, für die in kürzester Zeit große Teams spezialisierter Juristen mobilisiert werden müssen, gehörten in Deutschland bisher nicht zum Spektrum.

 In den USA hat Volkswagen laut Presseberichten Kirkland & Ellis in Fragen der Auseinandersetzung mit US-Aufsichtsbehörden beauftragt.

Ärger auf weiteren Ebenen

Doch es droht nicht nur die Auseinandersetzung mit den US-Behörden. Laut Presseberichten sind in verschiedenen Ländern bereits jetzt 40 Sammelklagen auf zivilrechtlicher Ebene eingereicht worden. Dabei handelt es sich um Klagen von Verbrauchern, die auf Schadensersatz pochen.

In Deutschland dürften zudem auch VW-Aktionäre über ihre Möglichkeiten nachdenken. Nach dem Bekanntwerden des Diesel-Skandals hatte der VW-Börsenkurs am Montag und Dienstag stark nachgegeben. Dass institutionelle Anleger, aber auch Kleinanleger, daher Forderungen an den Konzern stellen werden, gilt als sicher. Einige Kanzleien bringen sich bereits aufseiten der Kapitalanleger in Stellung. Die auf diesem Gebiet sehr bekannten Kanzleien Tilp und Nieding + Barth bemühen sich bereits öffentlich darum, möglichst viele Kläger hinter sich zu bringen. 

Der Fall hat zudem das Zeug dazu, einer der größten D&O-Schadenskomplexe der deutschen Wirtschaftsgeschichte zu werden. Branchenberichten zufolge verfügt VW angeblich über eine D&O-Police unter Führung der Zurich Versicherung mit einer Deckungssumme von rund 500 Millionen Euro. (Ulrike Barth, Norbert Parzinger, Christiane Schiffer)

 

 

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