Artikel drucken
29.10.2015

Konzern-Umbau: Prozesschef der Deutschen Bank wechselt zu Clouth

Es ist eine weitere Personalie im Umbau der erweiterten Führungsriege der Deutschen Bank: Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ist der langjährige Prozesschef der Deutschen Bank, Dr. Peter Lindt, als Partner zur Frankfurter Sozietät Clouth & Partner gewechselt. Seinen Posten als Prozessverantwortlicher bei Deutschlands größtem Geldhaus übernahm Dr. Jörg Mucke, der dafür von Sal. Oppenheim kam.

Lindt_Peter

Peter Lindt

Bei der einst größten Privatbank Europas – inzwischen eine Tochter der Deutschen Bank – leitete Mucke seit 2010 die Rechtsabteilung. In dieser Funktion begleitete er auch intensiv den Streitkomplex um die Zusammenarbeit mit dem Troisdorfer Immobilienentwickler Josef Esch und den Niedergang der Bank. Sein Nachfolger als Rechtschef von Sal. Oppenheim wiederum ist ein Jurist des Mutterkonzerns: Dr. Daniel Kieper wechselte zum Oktober aus dem Rechtsteam der Deutschen Bank.

Der nun Ex-Deutsche-Bank-Jurist Lindt arbeitete fast zwei Jahrzehnte für die Bank und führte deren Prozessteam seit 2009. Allerdings war er auf dem Posten zuletzt weniger einflussreich als die Jahre zuvor, denn vor rund eineinhalb Jahren schuf die deutsche Bank eine neue übergeordnete Abteilung für Prozesse und regulatorische Fragen. An deren Spitze steht Dr. Thomas Altenbach, der frühere Leiter des Rechts- und Compliance-Teams von Daimler. 

Lindt trifft in seiner neuen Einheit Clouth auf einen alten Weggefährten. Auch Kanzleigründer Dr. Peter Clouth arbeitete viele Jahre als Inhousejurist für die Deutsche Bank, ehe er 2009 für Sernetz Schäfer in Frankfurt eröffnete, von der er sich 2012 mit einem Team wieder abspaltete und unter Clouth neu startete.

Die nun rund zehn Anwälte zählende und auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisierte Kanzlei genießt vor allem bei der Abwehr von Haftungsklagen zu Zinsswap- und anderen Derivategeschäften einen guten Ruf. Erst im Juli hatte sie ihre Prozessarbeit ausgeweitet, als Dr. Carsten Salger als Partner dazu stieß, der unter anderem seit Jahren die Deutsche Bank und die Commerzbank bei der Abwehr von Anlegerklagen zu sogenannten Schrottimmobilien und streitigen Finanzierungen berät. 

Lindt intern zuletzt geschwächt – Wechsel im Stillen

Mit der Verpflichtung Lindts holte die Kanzlei nun einen der bekanntesten deutschen Unternehmensjuristen dazu. Er führte die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren durch eine Vielzahl großer und teils außergewöhnlich spektakulärer Rechtsstreitigkeiten. Dazu gehörten Prozesse um Manipulationen des Zinssatzes Libor und die Dauerfehde mit dem inzwischen verstorbenen Medienunternehmer Leo Kirch. Bei Clouth soll er neben Prozesskompetenz auch seine Erfahrung bei der Begleitung diverser Finanzierungsformen und im Kredithandel einbringen.

Eine Pressemeldung zum Wechsel Lindts im September gab es trotz des hochkarätigen Namens aber nicht. Auf der Internetseite der Kanzlei sucht man Lindt ebenso vergeblich. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass Lindt als Prozesschef der Deutschen Bank zuletzt zunehmend selbst ins Schussfeld geraten war. Rechtsstreitigkeiten uferten in nie gekannte Dimensionen aus, und das zog Kritik nach sich. So musste die Bank milliardenschwere Rückstellungen bilden, die zuletzt die Bilanz deutlich drückten. Zudem geriet Lindt sogar selbst ins Visier der Behörden: So ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft wegen möglicher Beihilfe zum Prozessbetrug weiterhin gegen ihn, wie die Behörde auf Anfrage mitteilte. Wegen möglicher Falschaussagen im Zivilprozess gegen Kirch läuft derzeit vor dem Münchner Landgericht ein Strafverfahren gegen mehrere Ex-Vorstandsvorsitzende und den derzeitigen Co-Chef der Bank, Jürgen Fitschen. Eine Verurteilung erscheint aber nach bisherigem Prozessverlauf sehr unwahrscheinlich.

Neuer Co-Chef Cryan krempelt personell radikal um

JUVE-Informationen zufolge haben die Vorgänge Lindts interne Position gleichwohl klar geschwächt. Mit dem Konzernumbau, den der neue Co-Vorstandschef John Cryan vorantreibt, habe seine Entscheidung, sich Clouth anzuschließen, aber nichts zu tun, so Lindt auf Nachfrage. Seine Entscheidung seit bereits gefallen, bevor Cryan in den Vorstand berufen wurde.

Cryan hat unterdessen in der erweiterten Führungsriege der Bank einiges verändert: So wird der bisherige stark in die Kritik geratene weltweite Chefjurist Richard Walker zum Jahreswechsel durch eine Doppelspitze aus Christof von Dryander und Simon Dodds ersetzt. Der ebenso unter Beschuss geratene Dr. Stephan Leithner, bis Anfang dieses Jahres als Compliance-Vorstand auch Chef der Rechtsabteilung, verlässt die Deutsche Bank zum November und wird Partner beim Finanzinvestor EQT. Vorstand für Recht ist künftig der bisherige Chief Operating Officer Karl von Rohr. Das Compliance-Ressort im Vorstand übernimmt Sylvie Matherat. (René Bender)

  • Teilen