Artikel drucken
23.10.2015

Korruptionsaffäre: Ehemaliger FBI-Direktor berät Bilfinger zu Compliance-Fragen

Der Aufsichtsrat des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger hat den ehemaligen Direktor des FBI Louis Freeh als Berater engagiert. Er soll die erst seit September für Bilfinger tätige Compliance-Chefin Britta Niemeyer beim Aufbau eines Compliance-Systems unterstützen. Das berichtet das ‚Manager Magazin‘. Aufgrund einer Korruptionsaffäre steht der Konzern seit August 2013 unter Aufsicht eines Compliance-Monitors.

Freeh ist bei deutschen Konzernen kein Unbekannter: Als Compliance-Monitor bekämpfte er – eingesetzt vom US-Justizministerium – von 2010 bis 2013 die Korruption bei Daimler. In diese Zeit fällt auch die Ernennung von Dr. Christine Hohmann-Dennhardt als Vorstand für Recht und Integrität, die in gleicher Position demnächst zu VW wechselt. Freeh wurde 1993 unter Präsident Bill Clinton zum Direktor des FBI ernannt und hatte diese Position bis 2001 inne. Zuvor war er als Special Agent tätig und führte als stellvertretender Bundesstaatsanwalt von Manhattan den Prozess gegen die sogenannte Pizza-Connection, eine sizilianische Gruppe von Heroin-Händlern.

Als Compliance-Monitor für Bilfinger bestellte das US-Justizministerium 2013 den Schweizer Anwalt Mark Livschitz von Baker & McKenzie. Im Frühjahr dieses Jahres hatte er laut Medienberichten erwogen, sein Mandat bei Bilfinger, das im Februar 2016 enden soll, zu verlängern. Als Grund nannte er den Wechsel an der Spitze des Vorstands: Der Vorsitzende Roland Koch hatte im Sommer 2014 seinen Hut genommen, sein Nachfolger Per Utnegaard übernahm den Chefsessel allerdings erst im Mai 2015. In der Zwischenzeit leitete der ehemalige Vorstandsvorsitzende Herbert Bodner den Konzern vorübergehend. Livschitz äußerte Bedenken, ob die gemeinsame Zeit mit Utnegaard ausreichen würde, um die Ziele des Monitors bis Ende Februar zu erreichen.

Das US-Justizministerium wirft Bilfinger vor, im Zusammenhang mit einem Ölpipeline-Projekt rund sechs Millionen US-Dollar Bestechungsgelder an nigerianische Regierungsbeamte bezahlt zu haben. Die Behörde einigte sich mit Bilfinger schließlich darauf, das Verfahren gegen eine Geldstrafe in Höhe von 32 Millionen Dollar und den Einsatz eines Compliance-Monitors für drei Jahre auszusetzen.

Im Frühjahr wurde bei Bilfinger ein weiterer Korruptionsfall bekannt: Das Unternehmen räumte gegenüber brasilianischen Behörden ein, möglicherweise eine Million Euro an Schmiergeldern an brasilianische Beamte gezahlt zu haben. Nach dem neuen Anti-Korruptionsgesetz von Brasilien kann Bilfinger aufgrund dieser Kooperationsbereitschaft mit mildernden Umständen rechnen. (Christin Nünemann)

  • Teilen