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13.10.2015

S&K-Betrugskomplex: Mitangeklagter Anwalt rutscht in die Insolvenz

Seit Ende September läuft der Untreue- und Betrugsprozess gegen sechs Verantwortliche der Frankfurter Immobiliengruppe S&K. Deren ebenfalls angeklagter Anwalt musste unterdessen Privatinsolvenz anmelden.

Das laufende Strafverfahren gegen ihn wegen Beihilfe zu Betrug und Untreue hatte das Landgericht Frankfurt von dem Verfahren gegen die anderen sechs Beschuldigten für eine gesonderte Entscheidung abgetrennt.

Der Anwalt selbst wolle weder zu der Insolvenz noch den Vorwürfen der Anklageschrift Stellung nehmen, so Gerhard Knöss auf JUVE-Nachfrage. Knöss verteidigt den Anwalt in dem strafrechtlichen Verfahren, zusammen mit Horst Petri.

Zum Insolvenzverwalter des Anwalts hat das Amtsgericht Frankfurt Dr. Jan Plathner bestellt. Plathner, Partner der renommierten Spezialkanzlei Brinkmann & Partner, genießt bundesweit viel Ansehen für seine Arbeit und war 2014 in drei der 30 größten Insolvenzverfahren eingeschaltet. Vor allem im Südwesten Deutschlands ist er sehr präsent, so etwa zuletzt durch seine Rolle als Sachwalter beim baden-württembergischen Maschinenbauer Rena.

Vermögenswerte des Anwalts sichergestellt

Verglichen damit ist das Insolvenzverfahren des Anwalts ein deutlich kleineres Kaliber, hat dafür aber einen weit ungewöhnlicheren Hintergrund. Der Anwalt war im Zuge einer bundesweiten Razzia bei der S&K-Gruppe im Februar 2013 verhaftet und Ende 2014 gegen Kaution und Meldeauflagen aus der Haft entlassen worden. In Augen der Staatsanwaltschaft gehört er zu den maßgeblichen Köpfen rund um die Geschäfte der S&K-Gruppe. Über wesentliche Teile seines Vermögens hatte das Amtsgericht Frankfurt deshalb bereits 2013 dingliche Arreste verhängt und diese in diesem Jahr erweitert. Gesichert wurden dabei unter anderem Konten über mehrere Hunderttausend Euro sowie Gegenstände knapp unter einem sechsstelligen Wert, jeweils detailliert im Bundesanzeiger aufgeführt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Anwalt unter anderem vor, bei Ankauf, Abwicklung und Verwaltung von Immobilien der S&K-Gruppe beraten zu haben, obwohl er gewusst haben soll, dass Anlegergelder genutzt wurden, ohne dass eine Rendite für die Anleger erwirtschaftet werden sollte. Zudem soll er geholfen haben, Kunden von Lebensversicherern mit falschen Renditeversprechen dazu zu bringen, ihre Verträge zu kündigen und ihr Geld bei S&K anzulegen, damit die S&K-Chefs Stephan Schäfer und Jonas Köller die Gelder für eigene Zwecke missbrauchen konnten. Über diese Gelder soll der Anwalt Unterlagen von Köller erhalten haben, die er in einer versteckten Akte ablegte. Dies geht aus der Anklageschrift hervor, die JUVE vorliegt. Auf Nachfrage wollte der Anwalt auch dazu keine Stellung nehmen. Der ständige S&K-Rechtsberater galt als enger Vertrauter von Schäfer und insbesondere Köller.

Leck in der Justiz informierte S&K-Anwalt früh über Ermittlungen

Pikant: Durch ein mutmaßliches Leck in der Justiz hatte der Anwalt der Anklageschrift zufolge offenbar schon mehr als ein halbes Jahr vor der Razzia von Ermittlungen gegen die S&K-Gruppe erfahren. Seinen Anwaltsstatus nutzte er daraufhin im Juni 2012, um bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht zu den Ermittlungen zu erhalten, Er erhielt aber keine Auskunft. Einige Monate später, nur wenige Wochen vor der Razzia, stellte er demnach einen weiteren Antrag, wieder ohne Erfolg. Die Anzeichen eines Lecks in der Justiz hatten sich bis dahin verstärkt, Anhaltspunkte dafür lieferte die Überwachung von seinem Telefonverkehr.

Ob er künftig weiter als Anwalt tätig sein kann, ist auch unabhängig vom Ausgang des anstehenden Strafverfahrens fraglich. Ihm droht der Widerruf der Anwaltszulassung wegen Vermögensverfalls. Nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs liegt dieser dann vor, wenn der Anwalt in ungeordnete, schlechte finanzielle Verhältnisse geraten ist, die er in absehbarer Zeit nicht ordnen kann und außerstande ist, seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beendet einen solchen Vermögensverfall dabei nicht unbedingt. In der Regel wird die Zulassung widerrufen, wenn ein Anwalt in die Pleite rutscht. Eine Möglichkeit dies zu verhindern, ist die Festanstellung bei einem anwaltlichen Arbeitgeber. (René Bender)

Aktualisierung vom 22.01.2021: Wie jetzt bekannt wurde, haben Staatsanwaltschaft und Landgericht im Herbst 2019 alle Verfahren gegen den Anwalt eingestellt.

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