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25.11.2015

DFB-Skandal: Fußballbund mandatiert Steuerstrafrechtler

In der Aufarbeitung der Affäre rund um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat sich der Deutsche Fußball Bund (DFB) in steuerstrafrechtlichen Fragen die Unterstützung von Olaf Leisner gesichert, Namenspartner der Münchner Spezialkanzlei Leisner Steckel Engler.

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Olaf Leisner

Der Verband hat damit neben dem renommierten Berliner Wirtschaftsstrafrechtler Dr. Daniel Krause einen zweiten Spezialisten mandatiert, der ihm mit strafrechtlicher Erfahrung zur Seite stehen soll. Auf Leisner dürfte viel Arbeit warten, denn seit Anfang November ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall gegen die ehemaligen Präsidenten Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger sowie den früheren Generalsekretär Horst Schmidt. Leisner, der als einer der führenden Steuerstrafrechtler hierzulande gilt und unter anderem schon dem Ex-Tennisprofi Boris Becker und den Waffenlobbyisten Karl-Heinz Schreiber zur Seite stand, vertritt den DFB dabei sowohl gegenüber den Finanzbehörden als auch gegenüber der Staatsanwaltschaft.

Dem Verband selbst droht als juristischer Person zwar kein strafrechtliches Verfahren, allerdings könnte es auch für ihn teuer werden. So könnten auf den DFB nicht nur Steuernachzahlungen in Millionenhöhe zukommen, sondern auch ein Bußgeld nach dem Ordnungswidrigkeitengesetz (OWIG) und die Aberkennung des Gemeinnützigkeitsstatus. Zusammen könnte dies einen finanziellen Nachteil in zweistelliger Millionenhöhe zur Folge haben. Alleine über das OWIG wäre ein Bußgeld von bis zu zehn Millionen Euro möglich, denn ein Verein ist auch für einen Schaden verantwortlich, den der Vorstand oder ein Mitglied des Vorstands Dritten zufügt.

Im konkreten Fall wirft die Staatsanwaltschaft Niersbach, Zwanziger und Schmidt vor, im Rahmen ihrer damaligen Zuständigkeit beim DFB falsche Steuererklärungen für das Jahr 2006 zu verantworten. Dadurch sollen Körperschaft- und Gewerbesteuern sowie der Solidaritätszuschlag gekürzt worden sein, Medienberichten zufolge in Höhe von gut 2,5 Millionen Euro. Der Grund: Das Organisationskomitee (OK) der Fußball-WM 2006 soll im Frühjahr 2005 eine Zahlung von rund 6,7 Millionen Euro unrechtmäßig als Betriebsausgabe steuermindernd geltend gemacht haben. Offiziell flossen die Gelder als Kostenbeteiligung an einem Kulturprogramm im Rahmen der WM 2006. Dies hat sich bereits als falsch erwiesen, aber wofür das Geld tatsächlich verwendet wurde, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Einiges spricht dafür, dass das Geld an Mohammed Bin Hammam, damals Mitglied der Fifa-Finanzkommission geflossen ist. Im Raum steht dabei weiterhin ein Stimmenkauf für die WM-Vergabe nach Deutschland.

Affäre kann teuer für DFB werden

Sollten die Vorwürfe der Steuerhinterziehung zutreffen, wird es für den als Verein eingetragenen weltgrößten Sportverband auch in Bezug auf den Status der Gemeinnützigkeit eng. Zwar muss die Finanzdirektion ihn nicht zwingend versagen, allerdings ist das Risiko sehr hoch. Die Gemeinnützigkeit könnte dabei auch nachträglich aberkannt werden. Nach Schätzungen des Sportmagazins ‚Kicker‘ spart der DFB jährlich bis zu 20 Millionen Euro durch den gemeinnützigen Status.

Parallel zu den steuerrechtlichen Themen laufen unterdessen die Ermittlungen von Freshfields Bruckhaus Deringer weiter. Gestern befragte die Sozietät erneut Franz Beckenbauer, der als Chef des damaligen OK eine Schlüsselrolle in der Affäre spielte. Beckenbauer sollte noch einmal zu dem Entwurf eines Vertrages mit dem Ex-Fifa-Funktionär Jack Warner Stellung beziehen, der zumindest einen Bestechungsversuch nahelegt. Das Papier hatten die Freshfields-Anwälte kürzlich gefunden. Der Fund hatte unterdessen in dieser Woche Folgen für den bisherigen DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans, von dem sich der Verband nun trennte. Hans soll den Warner-Vertragsentwurf schon zuvor gefunden haben, aber seine Vorgesetzten nicht rechtzeitig darüber informiert haben. Er bestreitet das. Ob er Rechtsberater hinzugezogen hat und wenn ja wen, ist bisher nicht bekannt.

Die Untersuchungen von Freshfields werden wohl noch eine Weile andauern, die Kanzlei arbeitet die Affäre unter Federführung des Frankfurter Partners Prof. Dr. Christian Duve mit rund zehn Anwälten auf. Neben Duve sind JUVE-Informationen zufolge auf Partnerebene der Steuerrechtler Dr. Ulf Johannemann und die Konfliktlösungsexpertin Dr. Martina de Lind van Wijngaarden damit befasst, intensiv eingebunden ist aus van Wijngardens Team zudem der Associate Dr. Daniel Schnabl. Alle Schlüsselfiguren rund um die damalige WM-Vergabe haben ihnen gegenüber bereits ausgesagt, neben Beckenbauer also Niersbach, Zwanziger und Schmidt sowie Günter Netzer, damals WM-Botschafter. (René Bender)

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