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19.11.2015

Freshfields vor der Entscheidung: Köln oder Düsseldorf?

Immer wieder hatte es bei Freshfields Bruckhaus Deringer in der Vergangenheit Diskussionen über den Sinn und Zweck von zwei Standorten im Rheinland – in Köln und in Düsseldorf – gegeben. Doch dieses Mal wird es ernst: Abgeordnetengruppen aus beiden Büros verhandeln aktuell über die Zusammenlegung der Rhein-Standorte. Das Ziel ist eine Entscheidung darüber, welcher künftig nicht mehr auf dem Briefkopf steht. Ein Ergebnis der Konsultationen soll Anfang 2016 bekanntgegeben werden. Partner sprechen von einem „basisdemokratischen, und derzeit noch offenen Prozess“.

Klaus-Stefan Hohenstatt

Klaus-Stefan Hohenstatt

Der Managing-Partner der deutschen Büros, Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt, bestätigte, dass Freshfields seit einigen Wochen an einem Plan arbeite, die „Büros in Köln und Düsseldorf mittelfristig an einem Standort zu vereinigen. Durch die Zusammenführung wird eine breitere Plattform mit größeren und noch schlagkräftigeren Teams entstehen“. Die weiteren Details würden in den nächsten Wochen erarbeitet, so Hohenstatt.

Beide Freshfields-Büros sind zentrale Aushängeschilder der Kanzlei. Düsseldorf ist zum Beispiel bekannt für seine renommierte Praxis im Patentrecht, hier haben sich wichtige Teams für Kartellschadensersatzprozesse gebildet und nach dem Weggang von Dr. Anselm Raddatz zu Clifford Chance steht das Büro mehr denn je für den Generationswechsel in der Corporate-Praxis. Von Köln wiederum gingen etwa die Impulse für den derzeitigen Erfolgskurs der Compliance-Praxis aus, weitere Stärken sind Private Equity sowie internationales Gesellschaftsrecht und Steuergestaltung. 

Im Markt – und teils sogar in der Kanzlei selbst – sehen dennoch einige das Aus für Köln bereits als Tatsache. Dementsprechend brodelt die Diskussion in Anwaltskreisen derzeit heftig, nicht zuletzt unter Bezugnahme auf auslaufende Mietverträge für das Kölner Kranhaus und die Düsseldorfer Feldmühle. „Für mich ist das keine Überraschung, das stand schon seit Jahren an“, sagte ein ehemaliger Düsseldorfer Freshfields-Anwalt. Es gibt bisher tatsächlich kein Beispiel für eine Kanzlei, die ihre Düsseldorfer Präsenz zugunsten eines Büros in Köln aufgegeben hätte. Im Gegenteil haben etwa Linklaters, Mayer Brown sowie Beiten Burkhardt vor einigen Jahren ihre Kölner Büros zugemacht, um sich auf Düsseldorf zu konzentrieren. Der Grund: Sie suchten die Nähe zu den großen Ruhrkonzernen wie RWE, E.on, ThyssenKrupp, Evonik sowie zur landespolitischen Szene im bevölkerungsreichsten Bundesland. Gerade die Erinnerung daran, wie Linklaters 2007 den Entschluss durchsetzte, sich nicht nur von ihrem Kölner Büro sondern gleichzeitig von einem Großteil der dortigen Partner, Associates und anderer Mitarbeiter zu trennen, ist in den Köpfen vieler Kölner Anwälte noch wach.

Dass Freshfields im Rheinland mit zwei Büros präsent ist, ist ein Erbe des Zusammenschlusses aus dem Jahr 2000: Damals fusionierten die Kanzlei Bruckhaus Westrick Heller Löber Bahn – mit Büros in Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt, Berlin, Brüssel, Wien – und Freshfields Deringer – mit den Standorten Köln, Berlin, Brüssel und Frankfurt. Beide Büros sind mit rund 75 Anwälten ähnlich groß, doch zählt Düsseldorf etwas mehr Partner, denn Köln arbeitet traditionell mit einer höheren Leverage. Eine bessere Position für die Nachwuchsgewinnung gilt tatsächlich auch bei einigen Freshfields-Anwälten als Argument, das für die Standortfrage durchaus noch Bedeutung gewinnen könnte. Auch andere Kanzleien berichten davon, dass dies in Köln leichter sei, zumal wenn sich die Konkurrenz um die besten Nachwuchsanwälte vor Ort ausdünnt. (Antje Neumann)

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