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22.12.2015

Stabwechsel nach 14 Jahren: VW holt Döss als neuen Chefjuristen

Der langjährige VW-Chefjurist Michael Ganninger (54) verlässt den Konzern auf eigenen Wunsch, wie VW heute mitteilte. Zum Januar 2016 übernimmt an seiner Stelle Manfred Döss (57) die Leitung der Rechtsabteilung bei dem krisengeschüttelten Autobauer. 

Manfred Döss

Manfred Döss

Döss ist bislang Leiter Recht bei der Porsche-Holding, die die Mehrheit der Stammaktien am Volkswagen-Konzern hält. Erst in der vergangenen Woche wurde er dort auch zum Vorstand für Recht und Compliance berufen. Er wird das VW-Rechtsressort zusätzlich zu seinen Ämtern bei der Porsche SE führen.

Ganninger war rund 20 Jahre bei Volkswagen, 14 Jahre leitete er die Rechtsabteilung des Konzerns. „Besonderer Dank gebührt ihm für sein großes Engagement in den vergangenen Monaten, in denen die Diesel-Thematik beherrschendes Thema war und wir fest auf seine Fachkompetenz vertrauen konnten“, sagte Vorstandschef Matthias Müller. VW steckt in einer tiefen Krise, seit im September bekannt wurde, dass bei rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Software die Abgaswerte im Testbetrieb manipuliert. Die Rechtsrisiken, die sich daraus ergeben, sind kaum absehbar.

Im Konzern sind derzeit laut Presseberichten rund 450 interne und externe Ermittler damit beschäftigt, nach den Verantwortlichen in der Affäre zu suchen. Dazu hat der Aufsichtsrat einen Sonderausschuss eingerichtet, der unter anderem die Ermittler der eingeschalteten Kanzlei Jones Day und der Wirtschaftsprüfung Deloitte koordiniert.

Ganninger_Michael

Michael Ganninger

Zudem gab VW bereits vor einigen Wochen bekannt, Dr. Christine Hohmann-Dennhardt als neue Vorstandsfrau für Recht und Integrität nach Wolfsburg zu holen. Sie kommt von Daimler, wo sie seit 2011 in gleicher Funktion tätig war und wird die erste Frau im Vorstand des VW-Konzerns.

Der neue Mann Döss kam 2013 von RWE zu Porsche und gilt als krisenfest: Unter seiner Leitung hatte Porsche nach eigenen Angaben mehrere wichtige juristische Etappensiege an deutschen Gerichten errungen, während in den USA alle anhängigen Schadensersatzklagen abgewehrt worden seien. (Ulrike Barth)