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18.01.2016

Devisenskandal: US-Kanzlei Hausfeld geht für Musterkläger gegen Deutsche Bank vor

Die Deutsche Bank hat derzeit an vielen Fronten mit Rechtsstreitigkeiten zu kämpfen. Der neueste Vorwurf lautet: Die Bank soll mittels spezieller Algorithmen die Ausführung von Aufträgen auf ihrer elektronischen Handelsplattfom verzögert haben. Wie jetzt bekannt wurde, legte deswegen kurz vor Weihnachten die US-Kanzlei Hausfeld für ihre Mandantin, Musterkläger Axiom Investment Advisors, eine Klage bei einem New Yorker Gericht ein. Die Deutsche Bank bestreitet die Vorwürfe.

Christopher Rother

Christopher Rother

Bislang ging es bei den Ermittlungen verschiedener Aufsichtsbehörden in erster Linie um Absprachen zwischen Händlern verschiedener Banken im Devisenmarkt. Dabei wurden Wechselkurse zum Nachteil der Bankkunden manipuliert. Verschiedene internationale Großbanken zahlten deshalb schon Geldstrafen in Milliardenhöhe.

Im Devisenskandal hat Hausfeld vergangenen Sommer in den USA bereits einen ersten Vergleich erstritten: Neun internationale Großbanken, unter anderem Barclays, Citigroup, Goldman Sachs und UBS zahlten am Ende über zwei Milliarden Dollar. Auch die Deutsche Bank zählte damals schon zu den Beklagten, beteiligte sich aber nicht an dem Vergleich. In dem Verfahren wurde die Bank von Kirkland & Ellis verreten.

In ihrer Klage wirft Hausfeld der Bank nun vor, sie habe ihre elektronische Handelsplattform „Autobahn“ so programmiert, dass sich die Ausführung von Kundenaufträgen unnötig verzögerte. Die Software habe der Bank Zeit verschafft, um Aufträge abzuweisen, wenn sich der Markt in eine für sie ungünstige Richtung entwickelte oder sie habe Aufträge zu einem schlechteren als dem zuvor angezeigten Kurs ausgeführt. Kunden sollen über das Verfahren zudem unzureichend informiert worden sein. Auch die New Yorker Finanzaufsicht sowie die Börsenaufsicht SEC ermitteln in der Sache.

Die Deutsche Bank bestreitet die Vorwürfe und hat bei dem New Yorker Gericht beantragt, die Klage abzuweisen. Das Gericht wird voraussichtlich in drei bis sechs Monaten über die verschieden Anträge der Parteien entscheiden. Hausfeld drängt in New York darauf, dass die Deutsche Bank per Gerichtsentscheid gezwungen wird, Daten ihrer Handelsplattform offenzulegen.

Weitere Klagen in London geplant

Hausfelds Deutschlandchef Dr. Christopher Rother kündigte an, spätestens bis Mitte des Jahres weitere Klagen in London anzustrengen. Die sollen zum einen die angeblichen Kartellabsprachen als auch den Einsatz der Software zum Gegenstand haben. Spektakulär daran ist, dass neben Pensionsfonds und Großkonzernen aus Europa auch Geschäftsbanken und sogar Notenbanken zu den Klägern gehören sollen. Dass europäische Notenbanker Schadensersatz von einer Großbank fordern, wäre ein Novum. Wie die ‚FAZ‘ heute berichtete, gehören aber weder die EZB noch die Deutsche Bundesbank zu den Klägern.

Die US-Kanzlei Hausfeld, die erst zum Januar ihre deutsche Niederlassung gründete, hat etablierte Beziehungen zu einer ganzen Reihe deutscher Mandanten, die sie vor allem in den USA oder Großbritannien vertrat. Das Berliner Team um Rother, der zuvor als Inhousejurist bei der Deutschen Bahn erfolgreich einige kartellrechtliche Schadensersatzklagen geführt hat, soll nun auch Klagen in Deutschland stärker forcieren. Das deutsche Hausfeldteam besteht derzeit aus zwei Partnern, einem Counsel und zwei Associates. 

Die Deutsche Bank hatte andere Klagen in den USA und Großbritannien schon per Vergleich erledigt: So zahlte das Geldinstitut 2,5 Milliarden US-Dollar Strafzahlungen in der Libor-Affäre an Regulierungsbehörden. In diesem Fall stand der Bank ein Kanzlei-Trio aus Paul Weiss, Slaughter and May und Hengeler Mueller zur Seite. (Ulrike Barth)

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