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27.01.2016

Freshfields-Spin-off in Berlin: Vergabe- und Außenhandelsteam geht als Blomstein an den Start

In Berlin spaltet sich zum April ein großes Team von erfahrenen Vergabe-, Kartell-, Beihilfe- und Außenhandelsrechtsspezialisten von Freshfields Bruckhaus Deringer ab. Unter dem Namen Blomstein gründen Dr. Roland Stein (37), Dr. Anna Huttenlauch (37), Pascal Friton (36) und Dr. Max Klasse (40) zusammen mit drei Associates eine eigene Kanzlei, die sich auf diese regulierungsbezogenen Beratungsbereiche konzentrieren wird. Ende April scheidet zudem der äußerst renommierte Vergabe- und Außenhandelsrechtler Dr. Hans-Joachim Prieß aus der Partnerschaft aus. Damit steht Freshfields vor einer grundlegend neuen Aufstellung der Beratungsbereiche, für die das Berliner Büro einen hervorragenden Ruf genoss.

Blomstein

Roland Stein, Pascal Friton, Anna Huttenlauch, Max Klasse

Stein ist bei Freshfields als Counsel tätig, Huttenlauch, Friton und Klasse als Principal Associates. Zusammen mit Prieß bildeten Stein und Friton eines der marktführenden Teams im Vergabe- und Außenhandelsrecht. Regelmäßige Mandanten sind hier etwa Airbus Defense & Space und Siemens. Huttenlauch und Klasse stammen aus der namhaften Berliner Kartellrechtspraxis und waren im letzten Jahr Teil der Teams, die etwa Inbev oder Axel Springer bei heiklen Mandaten begleitet haben. Als Associates sind bei Blomstein künftig Eva-Maria Meister, Sarah Bayer und Dr. Florian Wolf tätig, außerdem als nichtanwaltlicher Vergaberechtssspezialist Dr. Mathias Simonis. Auch sie gehören bei Freshfields zur Praxisgruppe Antitrust Competition Trade. 

 „Wir wollen mit unserer Kanzlei einen klaren regulatorischen Fokus setzen und sehen hierfür Berlin als den besten Standort an“, sagte Stein. „Mit der Fokussierung auf High-End-Mandate wollen wir an die bisherige Tätigkeit anknüpfen, wobei Blomstein gerade in die Lücke vorstoßen will, die internationale Großkanzleien durch ihre zunehmende Fokussierung auf internationale Transaktionsmandate hinterlassen.“

Associates-Spin-offs haben Tradition bei Freshfields

Freshfields hat schon häufiger Abspaltungen von erfahrenen Associates erlebt, die sich für die Gründung einer eigenen Kanzlei entscheiden. Erst zum Januar ging in Hamburg etwa die Kanzlei Neuwerk an den Start. „Die Gründung von Blomstein durch Counsel und Principal Associates unserer Sozietät beweist Unternehmergeist im besten Sinne“, sagte Managing-Partner Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt. „Wir sind stolz darauf, dass viele unserer ehemaligen Associates auch außerhalb der Sozietät in herausgehobenen Funktionen erfolgreich sind.“ Zur künftigen Aufstellung des Berliner Freshfields-Büros sagt er ergänzend, dass der Bereich Regulierung in Berlin und an weiteren Standorten höchste Priorität genieße. „Dies gilt weiterhin auch für das Vergaberecht und die Beratung zum Recht der Wirtschaftssanktionen“, so Hohenstatt

Allerdings hatte es in beiden Bereichen schon seit Jahren keine Partnerernennungen mehr gegeben, was im Berliner Markt immer wieder ein großes Gesprächsthema war. Dementsprechend kursierten schon seit Längerem Spekulationen über mögliche Weggänge, zumal sich bereits vor einigen Jahren auch der Vergaberechtspartner Dr. Friedrich Hausmann mit einem Team verabschiedet hatte. Den Bereich Wirtschaftssanktionen leitet seit dem vergangenen Jahr der Wiener Partner Dr. Stephan Denk, das Vergaberecht soll künftig der Berliner Partner Dr. Marcel Kaufmann abdecken. Die Praxis, so heißt es aus der Kanzlei, soll sich auf internationale Mandate ausrichten, unter anderem aus den Branchen Verkehr und Gesundheit. Kaufmann berät außerdem zusammen mit dem bekannten Regulierungsspezialisten Dr. Benedikt Wolfers zum öffentlich-rechtlichen Teil des umfangreichen VW-Dieselgate-Mandats.

Hans-Joachim Prieß

Hans-Joachim Prieß

Wende in der Berliner Freshfields-Aufstellung

Der Weggang des Teams bedeutet dennoch gerade im Zusammenhang mit dem Ausscheiden von Prieß ab Mai eine Wende in der Aufstellung des Berliner Büros. Prieß hatte den Vergaberechtsmarkt in Deutschland über einige Jahre hinweg tief geprägt und zählte zu den ersten, die die Bedeutung des Fachbereichs bei internationalen Untersuchungen erkannten und in Mandate umsetzten. So etwa bei Siemens im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre und im Streit um einen Vertrag mit Eurostar oder für EADS im Zusammenhang mit dem EuroHawk-Untersuchungsausschuss. Zahlreiche Vergaberechtler und Außenhandelsspezialisten aus seinem Team sind heute in anderen Kanzleien als angesehene Partner auf diesen Gebieten tätig. (Antje Neumann)