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29.01.2016

Sicherheitsbranche: DNZ und Nordwacht setzen auf Insolvenz in Eigenverwaltung

Gleich zwei große Unternehmen der Sicherheitsbranche haben Ende Januar Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. In beiden Fällen sind jüngere Insolvenzverwalter aus renommierten Kanzleien in operative Rollen geschlüpft, um den Sanierungsprozess zu begleiten – Dr. Gerrit Hölzle (41) von Görg für die DNZ-Gruppe sowie Justus von Buchwaldt (44) aus der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff & Partner für Nordwacht.

Gerrit Hölzle

Gerrit Hölzle

In Dresden ging die DNZ-Gruppe zum Amtsgericht, um für die Holding und ihre Tochtergesellschaften entsprechende Verfahren einzuleiten. Die wesentlichen Töchter – Prodiac aus Bielefeld, WWD aus München, WSI aus Erfurt, Conexis sowie DWSI aus Dresden beziehungsweise Berlin – holten jeweils den Görg-Partner Hölzle in die Geschäftsführung. Ihn begleiten aus seiner Kanzlei Dr. Thorsten Bieg, renommierter Restrukturierungspartner aus Hamburg, sowie der Berliner Verwalterkollege Sascha Feies. Gerichtlich bestellter Sachwalter wurde Dr. Jürgen Wallner von Wallner Weiß.

Hölzle ist einer der aktivsten Insolvenzrechtler der jüngeren Generation. Er schloss sich Görg Anfang 2013 an, zeitgleich mit einem großen Team von Brinkmann & Partner. Als gerichtlich bestellter Verwalter gehört er etwa in Bremen zu den Verfolgern von Schultze & Braun, die dort nach wie vor die Verwalterszene dominieren. Hölzle trat jedoch auch schon wie jetzt bei den DNZ-Gesellschaften als Eigenverwalter auf. Der bekannteste Fall ist der AC Biogas-Konzern, der nach langen insolvenzrechtlichen Auseinandersetzungen erst Anfang 2016 den Vollzug der letzten fünf Insolvenzpläne melden konnte. Auch dort bildeten Hölzle und Bieg ein Team.

Die Unternehmen der ‚Deutschen Notrufzentralen und Sicherheitsdienste Holding‘ (DNZ) haben 2.400 Mitarbeiter und erzielten zuletzt insgesamt 61 Millionen Euro Umsatz. Der Restrukturierungsprozess läuft seit 2012, ein seit Sommer 2015 außerdem laufender Verkaufsprozess kam kürzlich nicht zum Abschluss. Problematisch sind dem Vernehmen nach nicht die Einzelgesellschaften, sondern eher die Holding, die Kredite in zweistelliger Millionenhöhe zurückzahlen muss.

BBL-Anwalt verstärkt Nordwacht-Management

Das zweite Großunternehmen aus dem Sicherheitsgewerbe, das eine Insolvenz in Eigenverwaltung begonnen hat, ist Nordwacht aus Handewitt in Schleswig-Holstein. Hier sind 470 Arbeitsplätze betroffen. Zu den Kunden zählen Flughäfen wie Hahn oder auch die Bundeswehr, die von dem Sicherheitsdienst militärische Liegenschaften überwachen lässt.

Als weiterer Nordwacht-Geschäftsführer ist Justus von Buchwaldt berufen worden, bekannt als Insolvenzverwalter der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff & Partner. Erst im Herbst 2015 hatte Buchwaldt eine ähnliche Rolle bei dem Fischimporteur Stührk Delikatessen übernommen. Im Fall Nordwacht hat er prominente Unterstützung aus den Reihen der Kanzlei Reimer: Das Amtsgericht Flensburg stellte ihm mit Peter-Alexander Borchardt den Imtech-Insolvenzverwalter als Sachwalter an die Seite. Imtech war das mit Abstand größte Insolvenzverfahren des vergangenen Jahres. (Markus Lembeck)

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