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18.02.2016

Streit bei Springer: Morrison-Partnerin soll Schlüsselposition übernehmen

Im Medienkonzern Axel Springer ist ein Streit über Pläne der Hauptgesellschafterin Friede Springer entbrannt. Die will nach ihrem Tod ihre Vertraute Karin Arnold im Unternehmen als Stiftungsvorstand mit großer Macht einsetzen lassen. Arnold ist Partnerin bei Morrison & Foerster, will sich JUVE-Informationen zufolge aber selbstständig machen. In Teilen der Springer-Führungsetage soll von einem Putschversuch Arnolds die Rede sein.

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Karin Arnold

Arnold wird ihre Kanzlei Morrison & Foerster exklusiven JUVE-Informationen zufolge zum März verlassen. Mit vier Mitarbeitern ihres Notariats will sie in Berlin eine eigene Sozietät eröffnen, die als Arnold Anwälte firmiert. Der Wechsel in die eigene Kanzlei und der Wirbel um ihre angedachte Rolle bei Springer stehen aber offenbar in keinem direkten Zusammenhang.

Demnach plante Arnold schon länger, sich selbstständig zu machen. Die Gründe sollen eher in ihrer Spezialisierung liegen. Zu ihren Mandanten zählen insbesondere Unternehmerfamilien und hochvermögende Privatpersonen – eine Ausrichtung, die möglicherweise langfristig nicht mit den strategischen Zielen einer internationalen Einheit wie Morrison & Foerster harmoniert. Umgekehrt erfordert Arnolds Geschäft auch nicht unbedingt das weltweite Netzwerk einer solchen Kanzlei.

Nach Streit zwei Gutachten angefordert

Auch die Arbeit als Stiftungsvorstand bei Springer dürfte eher schwer mit einem Partnerstatus bei Morrison & Foerster vereinbar sein. Ob es zu dem Stiftungsmodell und Arnolds angedachter Rolle aber überhaupt kommen wird, ist fraglich. Arnold wollte sich auf Nachfrage nicht zu der Arbeit für Springer und dem Stiftungsmodell äußern.

Zwei juristische Gutachten beschäftigen sich einem Bericht der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ (FAZ) zufolge mit dem Thema. Eines hat demnach die Unternehmensspitze in Auftrag gegeben – bei wem, ist aber bisher nicht bekannt. Mit dem zweiten Gutachten will sich Friede Springer dem ‚Handelsblatt‘ zufolge eine weitere Meinung neben der ihrer engsten Beraterin einholen – und vertraut dabei auf die Corporate-Koryphäe Georg Thoma, of Counsel bei Shearman & Sterling und Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank. Dass Thoma auch gute Verbindungen in den Springer-Konzern hat und für diesen immer wieder tätig wurde, ist seit Langem bekannt. Auf Nachfrage zu seiner jetzigen Arbeit für Springer wollte er keinen Kommentar abgeben.

Als Hauptberaterin des Konzerns wiederum gilt Hengeler Mueller, die den Verlag zu diversen Themen berät. Zuletzt begleitete sie auch die beabsichtigte Umwandlung der SE-Aktiengesellschaft Springer in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Das Vorhaben wurde aber kürzlich doch noch verworfen.

Eine solche Umwandlung hätte die Gründung einer Friede-Springer-Stiftung begünstigt. Hengeler ist mit vergleichbaren Umwandlungen, überdies im Zusammenspiel mit Stiftungsmodellen, ausreichend erfahren: So begleitete die Kanzlei in diesen Fragen mit einem Team um den Corporate-Partner Prof. Dr. Michael Hoffmann-Becking auch schon den Bertelsmann-Konzern.

Große Machtbefugnisse für Arnold stoßen auf Widerstand

Friede Springer könnte über eine eigene Stiftung Erbe und Vermächtnis ihres verstorbenen Mannes Axel Springer langfristig sichern. Die fünfte und letzte Ehefrau des Verlagsgründers hält direkt gut fünf Prozent am Springer-Konzern, vor allem aber rund 90 Prozent an der Gesellschaft für Axel Springer Publizistik GmbH & Co. KG, die wiederum mit 47,3 Prozent an der SE beteiligt ist.

Die Struktur der vorgesehenen Stiftung soll der FAZ zufolge derjenigen der Industriellenfamilie Krupp ähneln. An der Spitze der Krupp-Stiftung stand einst Berthold Beitz als Generalbevollmächtigter mit sehr weitreichenden Befugnissen, um den Stahlkonzern Thyssenkrupp im Sinne des verstorbenen Unternehmensgründers zu führen. Als er etwa dem Vorstandchef Gerhard Cromme 2013 das Vertrauen entzog, läutete dies dessen Ausscheiden aus dem Konzern ein.

Friede Springer will offenbar ihrer Beraterin und engsten Vertrauten, Karin Arnold, eine ähnliche Position wie Beitz zuweisen – und sie sogar mit noch größerem Einfluss ausstatten. Entsprechend wenig verwundert es, dass sich im Vorstand Widerstand gegen diese Pläne regt. Der ‚FAZ‘ zufolge sieht das geplante Modell vor, dass Arnold auch erheblich in die Vorstandsarbeit eingreifen kann – bis hin zur Besetzung einzelner Vorstandsposten. (René Bender)

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