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29.03.2016

Absturz: Kebekus begleitet Insolvenz von Börsenneuling Steilmann

Das Bekleidungsunternehmen Steilmann hat am Donnerstag beim Amtsgericht Dortmund einen Insolvenzantrag gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Steilmann SE und deren ebenfalls insolventer Hauptaktionärin Steilmann Holding AG wurde der Düsseldorfer Anwalt Dr. Frank Kebekus von Kebekus et Zimmermann bestellt. Steilmann hat erst vor knapp einem halben Jahr den Schritt an die Börse gewagt.

Frank Kebekus

Frank Kebekus

Der Vorstand hatte in der Nacht zum Donnerstag die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens mitgeteilt. Zuvor waren Sanierungsverhandlungen gescheitert.

Insolvenzverwalter will operativen Betrieb stabilisieren

Kebekus erklärte am Ostermontag, oberste Priorität sei derzeit, die operativen Geschäfte der Gruppengesellschaften zu stabilisieren. Erste Schritte seien bereits eingeleitet, nun sollen schnell Gespräche mit Handelskunden, Lieferanten und anderen Geschäftspartnern folgen. Betroffen sind von der jetzigen Insolvenz die rund 370 Mitarbeiter der Steilmann SE sowie die 66 Mitarbeiter der Holding.

Kebekus gehört zu den führenden deutschen Insolvenzverwaltern. Als Sachwalter betreute er im vergangenen Jahr etwa den ehemaligen Weltbild-Logistiker Also. Im Komplex um die Suhrkamp-Insolvenz war Kebekus von der Verlagsgeschäftsführung zum Generalbevollmächtigten berufen worden. Der Insolvenzverwalter war acht Jahre lang Sprecher des Gravenbrucher Kreises, eines Zusammenschlusses führender Insolvenzverwalter. Im März 2015 übergab er diese Aufgabe an Prof. Dr. Lucas Flöther von Flöther & Wissing.

Steilmann mit Sitz im westfälischen Bergkamen war im November 2015 am Prime Standard der Frankfurter Börse gestartet, nahm dort aber statt der geplanten 100 Millionen Euro nur 8,8 Millionen Euro ein. Beim Börsengang wurde Steilmann von Norton Rose Fulbright in Frankfurt beraten. Die Banken vertrauten auf Ashurst.

Zudem hatte Steilmann in den Jahren 2012, 2014 und 2015 drei sogenannte Mittelstandsanleihen im Gesamtvolumen von 88 Millionen Euro begeben.

Modekette Adler nicht betroffen

Der 1958 von Klaus Steilmann in Wattenscheid gegründete Modespezialist stand 2006 schon einmal kurz vor der Insolvenz, wurde dann aber von der italienischen Miro-Radici-Gruppe übernommen. Im Frühjahr 2013 erwarb Steilmann mit dem Finanzinvestor Equinox die Modekette Adler von BluO. Bei der Transaktion war Steilmann von einem Frankfurter Latham & Watkins-Team beraten worden. Den Anteil wollte Steilmann eigentlich noch weiter aufstocken. Adler ist von der jetzigen Insolvenz nicht betroffen.

Steilmann konzentriert sich auf Mode für über 45-Jährige, neben Adler und den Boecker-Modehäusern gehören noch Marken wie ‚Apanage‘ und ‚Kapalua‘ zur Gruppe. Im Jahr 2014 erwirtschaftete die Gruppe mit rund 8.300 Mitarbeitern in 18 Ländern 896 Millionen Euro.

Die ehemalige Steilmann- und Miro-Radici-Logistiktochter Solutions Modelogistik hatte im Oktober 2012 Insolvenz anmelden müssen. Verwaltet wurde das damals rund 65 Mitarbeiter zählende Unternehmen ebenfalls von Kebekus et Zimmermann. Zur Verwalterin wurde damals die Anwältin Dorothee Madsen bestellt. (Christine Albert)

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