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02.03.2016

Im Gespräch mit Freshfields: „Alle Strukturen konsequent hinterfragen“

Nicht nur durch die anlaufende Zusammenlegung der Standorte Köln und Düsseldorf soll sich bei Freshfields Bruckhaus Deringer einiges ändern. Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt, seit sechs Jahren Managing-Partner der Kanzlei in Deutschland und Österreich, erklärt die aktuelle Linie des neuen globalen Managementteams.

Klaus-Stefan Hohenstatt

Klaus-Stefan Hohenstatt

JUVE: Seit Jahresbeginn ist das neue zentrale Managementteam am Start. Auch in Deutschland soll sich einiges ändern. Was sind die wichtigsten Ziele?
Klaus-Stefan Hohenstatt: Durch intensive Hintergrundgespräche mit ausgewählten Top-Mandanten haben wir erneut viel über deren Geschäft und Herausforderungen gelernt. Wir möchten verstehen, was sie strategisch wirklich nach vorne bringt und dadurch eine noch größere Nähe zu ihnen erzeugen. Das ist das Herzstück der globalen Strategie. Auch mit den Möglichkeiten der technologischen Entwicklung setzen wir uns sehr intensiv auseinander.

Schon seit Jahren verfolgt die Kanzlei eine konsequente Strategie: Größere und komplexere Mandate lösen kleinteiliges Geschäft ab. Warum werden gerade jetzt die Schrauben stärker angezogen?
Diese Entwicklung ist nicht neu, aber wir gehen jetzt konsequenter daran, die Dinge in die Tat umzusetzen. Für sehr komplexe und internationale Mandate sind wir im Wettbewerb besonders gut aufgestellt. Darauf haben wir intensiv hingearbeitet und wollen das noch konsequenter nutzen. Es geht darum, wirklichen „Added Value“ zu erzeugen. Das ist es, wofür uns unsere Mandanten schätzen: Dies kann der „Hidden Champion“ aus dem deutschen Mittelstand ebenso sein wie der Dax-Konzern oder der chinesische Investor.

Die Entscheidung, Köln und Düsseldorf zu fusionieren, hat die Konkurrenz gespannt verfolgt. Im Gespräch war dies seit Jahren, wieso fiel die Entscheidung jetzt?
Unsere internen Strukturen sind kein Selbstzweck. Im Rahmen einer Gesamtstrategie sind wir daran gegangen, alle Strukturen konsequent zu hinterfragen. Durch den vereinigten Standort in Düsseldorf schaffen wir die schlagkräftigste Einheit in dieser wichtigen Wirtschaftsregion. Die dort vereinigten Teams auf den Feldern Corporate/M&A, Investigations und für das US-Geschäft – um nur einige zu nennen – werden noch einmal eine ganz neue Dynamik in den Markt bringen. Auch die geplante sehr enge Verzahnung mit unserem Frankfurter Büro, die auch durch die Rheinlandpräsenz unserer Partner Andreas Fabritius und Rick van Aerssen unterstrichen wird, zeigt, was wir anstreben: Es geht allein um Qualität und Effizienz und nicht darum, wer wo seinen Schreibtisch hat. Auch der Aufbau unseres Legal Centers in Manchester folgt dieser Logik. Neueste Technik und eingespielte Teams im Center helfen uns, die zunehmend standardisierten Elemente bei Transaktionen und Investigations in noch höherer Qualität und im übrigen effizienter zu erbringen.

Was hat es mit Berichten in England auf sich, die von einer Herabstufung von Partnern in größerer Zahl sprechen?
Das waren Marktgerüchte, die nicht zutreffen. Wir sind eine der ganz wenigen globalen Anwaltsfirmen, die das Lockstep-System fast in Reinform praktizieren. Dieses System zwingt uns, bei der Partnerauswahl ganz besonders anspruchsvoll zu sein. Abweichungen – den sogenannten Lower Lockstep – nutzen wir nur in eng definierten Fällen, wenn dies unserer Strategie dient. Daran hat sich nichts geändert. Wir verzichten auch auf einen Länderfaktor, also regional verschiedene Lockstep-Modelle.

Das Gespräch führte Antje Neumann.

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