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19.04.2016

Mandatierung: Shell verzichtet auf deutsches Panel

Royal Dutch Shell hat ihr globales Kanzleipanel stark verkleinert und das bisherige deutsche Panel gleich ganz abgeschafft. Die Neuordnung der Kanzleien, die der britisch-niederländische Öl- und Gaskonzern beauftragt, war auch wegen der Übernahme der britischen BG Group nötig geworden. Doch das Rechtsteam um General Counsel Donny Ching will noch mehr erreichen.

Donny Ching

Donny Ching

Erst 2013 hatte Shell, damals noch unter Leitung von Chings Vorgänger Peter Rees, die Mandatierungspraxis geändert. Seinerzeit setzte der Konzern stärker auf regionale Kanzleien und stellte länderweise unterschiedliche Panels auf. Zuvor hatte Shell mit nur einem globalen Panel mit fünf Kanzleien gearbeitet. In Deutschland schafften es damals neben Allen & Overy als einziger internationaler Kanzlei Glauber & Partner (Hamburg), Haver & Mailänder (Stuttgart), Hitzemann & Kollegen (Hagen), IP2 (Mönchengladbach; Patentanwälte), Redeker Sellner Dahs (Bonn, Berlin, München) und Schulz Noack Bärwinkel (Hamburg, Rostock) auf die Mandatierungsliste.

Dieses Panel gibt es nun nicht mehr. Der in Kanada ansässige Associate General Counsel Gordon McCue, der den Auswahlprozess koordinierte, erklärte auf JUVE-Anfrage, die Entscheidung sei nach sorgfältigen Beratungen mit den deutschen Unternehmensjuristen gefallen. „Wir gehen davon aus, dass wir auch künftig viele der Kanzleien weiter beauftragen werden, aber auf einer Fall-zu-Fall-Basis“, so McCue. Es soll danach ausgewählt werden, welche Kanzlei für eine bestimmte Angelegenheit den größten Mehrwert liefert.

Shell wählt den Mittelweg

Shell unterhält für die kommenden vier Jahren nun ein globales Panel, das aus nur noch sechs Kanzleien besteht. Anders als bei der Aufstellung von 2010 will sich die Rechtsabteilung nicht nur in Deutschland die Flexibilität erhalten, jenseits des globalen Panels zu mandatieren. Insgesamt, so das britische Branchenmagazin ‚The Lawyer‘, sollen weltweit weiterhin mehr als 100 Kanzleien für den Konzern arbeiten. Damit wählt Shell eine Art Mittelweg.

Global betrachtet überlebten Allen & Overy und Clifford Chance alle strategischen Entscheidungen von Shell – und sind auch jetzt wieder mit dabei. Ihren 2013 eroberten Platz behielten Baker & McKenzie und Norton Rose Fulbright. Eversheds und Reed Smith kamen dagegen neu hinzu. Nicht mehr auf der Liste stehen unter anderem CMS Cameron McKenna, Debevoise & Plimpton, Dentons, King & Spalding, Linklaters und Simmons & Simmons.

Eine Frage der Vergütung

General Counsel Ching, Chef eines auf mehr als 40 Staaten verteilten fast 1.000-köpfigen Teams, verfolgt seit seinem Amtsantritt eine klare Strategie bei der Zusammenarbeit mit Kanzleien: Er verlangt Offenheit für Honorarvereinbarungen abseits des Stundensatzes. Shell gibt Schätzungen zufolge mehr als 30 Millionen Euro jährlich für externe Rechtsberater aus, das meiste für Prozesse. Mehrere Millionen will der Konzern einsparen. Während der jetzigen Überprüfung war entsprechend auch die Frage, wie Kanzleien honoriert werden, Gegenstand der Diskussionen.

Im Sommer vergangenen Jahres hatte sich der Konzern dafür zudem Vincent Gordon ins Unternehmen geholt, einen Spezialisten für Honorare und Sourcing. Gordon verfügt über jahrelange Erfahrung mit Fragen des Wertes der anwaltlichen Dienstleistung. Vor seiner Berufung zum Sourcing Officer der globalen Rechtsabteilung war er bei Reed Smith für ,Client Value‘ verantwortlich. Es dürfte kein Zufall sein, dass Reed Smith sich nun erstmals einen Platz auf dem Shell-Panel sicherte. (Astrid Jatzkowski)