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27.05.2016

Billable-Hours-Vorgaben für Berufsanfänger: Von 250 bis zu 1.900 Stunden im Jahr

Wie viele abrechenbare Arbeitsstunden Wirtschaftskanzleien von ihren deutschen Associates verlangen, ist unterschiedlicher denn je. Im ersten Berufsjahr reicht die Bandbreite von 250 bis 1.900 sogenannten Billable Hours pro Jahr. Pro regulärem Arbeitstag bedeutet dies 1,25 bis 8,5 Stunden.

In einer azur-Erhebung bei rund 200 Wirtschaftskanzleien in Deutschland benannte ein Teil der befragten Arbeitgeber die internen Billable-Hours-Vorgaben 2016. Je nach Kanzlei gelten diese Zahlen als verpflichtendes Minimum oder als unverbindliche Richtgröße.

Weil darunter nur die Arbeitsstunden fallen, die die Kanzlei ihren Mandanten in Rechnung stellen kann, liegt das tatsächliche Pensum der Anwälte allerdings durchweg höher. Laut der letzten azur-Associateumfrage verbringen Associates in Kanzleien durchschnittlich knapp elf Stunden täglich am Schreibtisch.

Höchstes Pensum in internationalen Großkanzleien

Die meisten Honorarstunden müssen Associates in internationalen Großkanzleien bringen. Am höchsten sind die Anforderungen, soweit bekannt, bei WilmerHale, dicht gefolgt von Paul Hastings und Watson Farley & Williams. In diesen Kanzleien sollen schon Berufseinsteiger zwischen 1.800 und 1.900 Honorarstunden im Jahr abrechnen. Auch bei Latham & Watkins gibt es eine Schwelle von 1900 Arbeitsstunden, deren Erreichen Einfluss auf den jährlichen Bonus hat. Die Kanzlei betont jedoch, dass sich der Wert nicht allein auf Billables bezieht, sondern auch Pro-Bono-Arbeit und Engagement im Kanzleimanagement angerechnet werden. 

Das andere Ende des Spektrums besetzen deutsche Regional- und Spezialkanzleien, etwa die Dresdner Rundumberaterin Battke Grünberg oder die Bau- und Vergaberechtskanzlei Leinemann & Partner. Hier werden im ersten Berufsjahr nur 250 bis 600 Billable Hours fällig. Zwar steigt das Pensum dort mit den Jahren an, liegt aber auch im fünften Berufsjahr noch bei moderaten 1.100 und 1.200 Honorarstunden.

Welpenschutz für Berufsanfänger

Wie Battke Grünberg und Leinemann erhöhen auch einige andere Sozietäten die Vorgaben je nach Berufserfahrung allmählich. Die britische Kanzlei Eversheds verlangt erst ab dem fünften Jahr überhaupt eine feste Zahl von Billable Hours. Viele andere Kanzleien geben ihren neuen Mitarbeitern zumindest ein bis zwei Jahre Schonfrist, in denen nur eine reduzierte Zahl von abrechenbaren Stunden angesetzt sind.

Soweit bekannt, geben noch zahlreiche weitere Kanzleien ihren Associates feste Honorarstundenzahlen vor. Über deren Höhe liegen azur derzeit jedoch keine ausreichenden Informationen vor. (Norbert Parzinger)

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