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02.05.2016

Düsseldorf: Freshfields-Kartellrechtspartner Michael Esser geht zu Latham

Latham & Watkins verstärkt sich mit einem weiteren hochkarätigen Quereinsteiger: Dr. Michael Esser, einer der bekanntesten Kartellrechtspartner von Freshfields Bruckhaus Deringer, startet morgen im Düsseldorfer Büro der US-Kanzlei. 

Michael Esser

Michael Esser

Esser ist seit über 20 Jahren Teil der Kartellrechtspraxis von Freshfields, seit 1997 als Partner. Nach einigen Jahren im Düsseldorfer Büro der Kanzlei und zwischenzeitlicher Tätigkeit in Brüssel arbeitete er zuletzt vor allem im Kölner Büro. Nun verlängert der 53-Jährige die Reihe profilierter Partner, mit der Latham derzeit im deutschen Markt angreift. Zuletzt hatte die Sozietät Ende Januar die Verpflichtung des M&A-Partners Dr. Rainer Traugott von Linklaters bekannt gegeben, im Sommer vergangenen Jahres war der Private-Equity-Experte Oliver Felsenstein von Clifford Chance gekommen und anschließend die Chefin der Bank- und Finanzrechtspraxis von Clifford Chance, Alexandra Hagelüken.

Mann für komplizierte Fälle

Zwei besonders heikle Zusammenschlüsse zählen zu Essers bekanntesten Fällen. Dies war zum einen die Vertretung des US-Kabelkonzerns Liberty Global beim Kauf des Kabelnetzbetreibers Kabel BW und dem Eintritt in den deutschen Markt. Über Monate hinweg hatten die Beteiligten mit den Kartellbehörden in Brüssel und Bonn um Zuständigkeiten und Auflagen gerungen, bevor das Bundeskartellamt Ende 2011 den Zusammenschluss freigab. Der Streit mit der Deutschen Telekom, die gegen diese Freigabe erfolgreich vor Gericht zog, endete erst im vergangenen Jahr mit einem Vergleich.

Zuletzt stand Esser außerdem dem Einzelhandelsriesen Rewe zur Seite, der vehement gegen den Kauf von über 400 Tengelmann-Märkten durch die Hauptkonkurrentin Edeka opponierte. Das Bundeskartellamt verbot den Deal; der Bundeswirtschaftsminister jedoch gab trotz dieser auch von der unabhängigen Monopolkommission geteilten Bedenken Anfang 2016 grünes Licht. Rewe will gegen die Entscheidung vor Gericht ziehen.

„Erfahrene Kartellrechtspartner sind heute eine Grundvoraussetzung für Unternehmen, die grenzüberschreitende Transaktionen planen. Die fundierte fusionskontrollrechtliche Expertise von Michael Esser wird uns helfen, unseren Marktanteil im M&A-Segment weiter auszubauen“, sagte Corporate-Partner Dr. Martin Neuhaus. Prof. Dr. Sven Völcker, Co-Leiter der globalen Kartellrechtspraxis von Latham & Watkins, ergänzt: „Das Bundeskartellamt positioniert sich zunehmend als führende nationale Kartellbehörde im Netzwerk der europäischen Behörden. Unternehmen im In- und Ausland ist die strategische Bedeutung des Kartellrechts für Transaktionen, Kooperationen und Vertrieb wohl bewusst.“

Latham suchte schon länger

Dass Latham deshalb schon eine Weile auf der Suche nach weiterer schlagkräftiger Verstärkung für ihre deutsche Kartellrechtspraxis war, ist im Markt bekannt. Vor knapp drei Jahren hatte sie sich im Brüsseler Büro bereits unter anderem mit dem angesehenen Völcker von WilmerHale verstärkt, der wichtige Kontakte zu Unternehmen wie Apple und Lufthansa in die Kanzlei mitbrachte. Allerdings war es Latham in den vergangenen Jahren nicht leicht gefallen, ein schlagkräftiges Kartellrechtsteam aus Partnern und Associates zu schmieden. Im vergangenen Jahr Jahr hatte sich überdies mit Susanne Zühlke (heute Willkie Farr & Gallagher) noch eine Brüsseler Partnerin verabschiedet.

Esser kommt als vierter Partner in die insgesamt rund zehnköpfige deutsche Latham-Kartellrechtspraxis, die neben der fusionskontrollrechtlichen Arbeit auch in einigen viel beachteten Kartellbußgeldverfahren aktiv ist, unter anderem für den Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Im Düsseldorfer Büro trifft er zudem auf ein hoch anerkanntes M&A-Team, das den Standort Mitte 2013 für die Kanzlei eröffnet hatte.

Bei Freshfields arbeiten auch nach Essers Weggang noch 13 Partner und mehr als 30 Associates im Kartellrecht. In Düsseldorf hatte die Kanzlei zudem erst in diesem Jahr eine neue Partnerin ernannt. Mit der geplanten Schließung des Kölner Freshfields-Büros dürfte Essers Schritt nichts zu tun haben – da Latham kein Kölner Büro hat, steht für ihn ohnehin der Ortswechsel nach Düsseldorf an.

Bei Freshfields in Köln sollen den Plänen zufolge die meisten Anwälte in den kommenden Monaten ins Düsseldorfer Büro wechseln. Doch suchen dem Vernehmen nach zahlreiche Anwälte nach Möglichkeiten, bei anderen Kanzleien in Köln zu arbeiten. (Antje Neumann)

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