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31.05.2016

Schweiz: Quinn Emanuel eröffnet Büro in Zürich

Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan hat offiziell ein Büro in der Schweiz eröffnet: An der Spitze des Züricher Standorts, der als eigene GmbH firmiert, wird Dr. Thomas Werlen (50) als geschäftsführender Gesellschafter stehen. Für die US-Kanzlei, die schon seit längerer Zeit einige Mandate in dem Alpenland hat, ist es das achte Büro in Europa.

Thomas Werlen

Thomas Werlen

Thomas Werlen, der seit 2011 für Quinn Emanuel von London aus tätig ist und bereits in den vergangenen Jahren die Aktivitäten in der Schweiz steuerte, ist mit dem dortigen Markt bestens vertraut. Als einstiger Allen & Overy-Partner war er zum Basler Pharmaunternehmen Novartis gewechselt und hatte als General Counsel rund sechs Jahre die dortigen Rechtsgeschäfte geführt, bevor er sich Quinn Emanuel anschloss. Der Litigation-Experte plant für das Züricher Büro mit fünf bis zehn Berufsträgern, die er vor allem aus dem kanzleiinternen Nachwuchs rekrutieren will.

Quinn Emanuel war in jüngerer Vergangenheit schon mehrfach in viel beachteten Schweizer Streitfällen aktiv, oft in enger Abstimmung mit lokalen Einheiten: So beriet sie beispielsweise im vergangenen Herbst in einem kapitalmarktrechtlichen Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht die hinter dem Bauchemiekonzern Sika stehende Eigentümerfamilie Burkard beziehungsweise deren Holding Schenker-Winkler, die ihre Anteile an das französische Unternehmen Saint Gobain verkaufen möchte. Das Gericht bestätigte die Gültigkeit der sogenannten Opting-out-Klausel in den Sika-Statuten, wonach es zulässig ist, dass Saint-Gobain allein der Familienholding ein Kaufangebot unterbreiten kann.

Mandanten aus dem Schweizer Bankensektor

Für die Schweizer Privatbank EFG International erzielte Quinn Emanuel Ende 2015 zudem eine Einigung im Steuerstreit mit dem US-amerikanischen Justizministerium, wonach die Bank eine Strafe von 29,9 Millionen Dollar zahlen musste. Auch weitere Finanzinstitute, wie Julius Bär und der von einem Korruptionsskandal erschütterte Tessiner Vermögensverwalter BSI, der kürzlich von EFG International übernommen wurde und nun auf Anordnung der Finanzmarktaufsicht abgewickelt werden muss, setzten bereits auf die US-Kanzlei. Thomas Werlen, der sowohl über eine Schweizer als auch über eine US-Anwaltszulassung verfügt, hatte in den vergangenen Jahren gerade Untersuchungen in Fragen von Compliance und sogenannter White Collar Crime vorangetrieben und parallel eine Praxis für Finanz – und gesellschaftsrechtliche Streitverfahren mit ausgebaut.

Die Fifa als Herausforderung

Rund die Hälfte seiner Arbeitszeit dürfte Werlen täglich der Aufarbeitung der Korruptionsaffäre rund um den Weltfußballverband Fifa widmen. Die Mandatierung für die umfangreichen internen Untersuchungen dort, die er mit einem internationalen Team führt, geht auf seinen direkten Kontakt zur Fifa zurück. Mit seinen US-Kollegen koordiniert er die Verhandlungen mit dem US-Justizministerium, das bereits 2011 erste Ermittlungen einleitete. Dabei plädiert die Fifa stets darauf, nicht selbst als kriminell agierendes Unternehmen eingestuft zu werden, sondern als eine Organisation, die Opfer von korrupten Funktionären wurde. Auch die Schweizer Staatsanwaltschaft ermittelt und analog verlaufen massive interne Umstrukturierungsprozesse im Verband. Bei den Untersuchungen stimmt sich Quinn Emanuel mit der Schweizer Sozietät Niederer Kraft & Frey ab, die mit einem kleineren Team einzelne Aspekte beleuchtet. Niederer Kraft war bereits früher für den Verband tätig, als es beispielsweise den Bestechungsskandal rund um den Sportvermarkter ISL aufzuarbeiten galt.

In Deutschland ist Quinn Emanuel seit 2010 präsent, als sie ihr erstes kontinentaleuropäisches Büro in Mannheim eröffnete. 2012 folgte dann der Start in Hamburg, ein Jahr später in München. Die deutschen Standorte werden von dem Patentprozessrechtler Dr. Marcus Grosch koordiniert.

Darüber ist die US-Kanzlei in Europa noch in Paris, Brüssel, Moskau sowie London vertreten, wo sie 2008 ihren ersten europäischen Standort eröffnete. (Sonja Behrens)

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