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11.05.2016

Servus, Norton Rose: Senior Partner von Bergwelt eröffnet mit Team für Dentons in München

Das Münchner Büro von Norton Rose Fulbright steht vor einem erheblichen Einschnitt: Mindestens ein Dutzend Anwälte um den deutschen Senior Partner der Kanzlei, Dr. Alexander von Bergwelt (52), wechseln zum Juli zu Dentons und eröffnen für die rasch wachsende Wettbewerberin das dritte Büro hierzulande. Mit von Bergwelt gehen dabei zwei weitere Partner, Dr. Michael Malterer (43) und Igsaan Varachia (51). Dem Vernehmen nach könnte das Startteam sogar bis zu 20 Anwälte zählen.

Bis dato zählt das Münchner Norton Rose-Büro rund 75 Anwälte. Der Corporate-Experte von Bergwelt, der seit 15 Jahren für Norton Rose tätig ist, gehört zu den bekanntesten deutschen Partnern der Sozietät und prägte deren Entwicklung über Jahre entscheidend mit. Viele Jahre war er Managing-Partner der deutschen Praxis und unter anderem wesentlich am Aufbau des Münchner Standorts beteiligt. Im vergangenen Jahr übernahm dann der ebenfalls in München ansässige Finanzrechtler Dr. Ralf Springer den Posten des Managing-Partners, von Bergwelt wechselte in die Rolle des Senior Partners. Zuletzt kümmerte er sich gemeinsam mit den Partnern Jamie Nowak (Litigation) aus München, Nils Rahlf (Corporate) aus Frankfurt und dem Hamburger Kartellrechtler Dr. Maxim Kleine um eine bessere internationale Verzahnung der deutschen Standorte mit den amerikanischen Büros.

Alexander von Bergwelt

Alexander von Bergwelt

Von Bergwelt, der das neue Dentons-Büro leiten wird, unterhält insbesondere starke Beziehungen zu BMW sowie der HVB/UniCredit. Michael Malterer ist ebenfalls Gesellschaftsrechtler mit einem Fokus auf grenzüberschreitenden M&A-Transaktionen und Wertpapieren. Varachia, der dritte Gründungspartner, berät im Gesellschafts- und Steuerrecht. Durch den Einstieg des Teams um die drei Partner gewinnt Dentons eine vor Ort langjährig etablierte Mannschaft für das neue Büro, dessen Schwerpunkte zunächst vor allem in den Praxen Corporate/M&A und Steuern liegen sollen. Allerdings ist ein zügiger Ausbau zur Full-Service-Einheit geplant, vor allem das Immobilienrecht steht als klassischer Schwerpunkt der Kanzlei auf der Agenda. Auf Sicht von zwei bis drei Jahren soll das Büro sogar bis auf 40 bis 50 Anwälte wachsen. In den Augen des internationalen Managements kommt der deutschen Praxis eine Schlüsselrolle im internationalen Wachstum der Kanzlei zu. Entsprechend zählt Dentons, 2012 aus einer transatlantischen Fusion hervorgegangen, hierzulande gegenwärtig zu den expansivsten Einheiten, vor allem im vergangenen Jahr war sie an ihren beiden deutschen Standorten Berlin und Frankfurt erheblich gewachsen und hatte die Marke von 100 Berufsträgern übersprungen. Dabei gewann die Kanzlei auch bekannte Namen wie die IT-Rechtlerin Katherina Scheja von Heymann in Frankfurt, wenngleich die meisten der Neuzugänge in Deutschland eher jüngere Partner von anderen Kanzleien waren. Ein besonderes Augenmerk legte die Kanzlei, die sich im vergangenen Jahr erst mit der chinesischen Riesenkanzlei Dacheng zusammenschloss, bei ihrem Wachstum zuletzt vor allem auf transaktionsnahe Arbeit.

Ganz anders erscheint die Situation bei Norton Rose: Die deutschen Standorte der Kanzlei stehen dem Vernehmen nach unter verstärkter Beobachtung aus London. Wie Kanzleikenner berichten, sollen die Profitabilitätserwartungen für die Standorte in Deutschland hochgeschraubt werden. Der Managing-Partner Deutschland, Dr. Ralf Springer, wies diese Annahmen jedoch zurück. Es gebe definitiv keine Ansage in diese Richtung, sagte er gegenüber JUVE.

Auch nach dem Weggang des Teams um von Bergwelt sehe man keinen konkreten Handlungsbedarf. Im Münchner Büro verbleiben 16 Partner. Erst zum Mai ernannte die Kanzlei dort zwei Partner: den Prozessexperten Dr. Sven Förster und die Corporate/M&A-Anwältin Dr. Katrin Stieß. Auch das Frankfurter Büro verzeichnete zuletzt einige Abgänge: Im Mai übernahm der Corporate-Experte Sascha Grimm den Chefposten in der Rechtsabteilung des Autozulieferers Veritas und Transaktionsanwalt Dr. Christoph Naumann wechselte zu Watson Farley & Williams, Anfang des Jahres war bereits die Finanzierungspartnerin Antje Günther zu Osborne Clarke nach Köln gegangen. Weiterhin verließ die renommierte Schiedsrechtlerin Patricia Nacimiento Norton Rose, um sich Herbert Smith Freehills anzuschließen. (Eva Lienemann, René Bender, Aled Griffiths)

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