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02.06.2016

Im Gespräch mit Eversheds: Frankfurt oder Düsseldorf – warum nicht?

Seit Mai 2015 leitet Ian Gray als erster International Managing-Partner die weltweite Präsenz von Eversheds. Gleichzeitig fusionierte die britischstämmige Kanzlei in Deutschland mit Heisse Kursawe. Im Gespräch mit JUVE erläutert Gray, wie sich die Praxis weiterentwickeln soll.

Ian Gray

Ian Gray

JUVE: Welche internationale Strategie verfolgt Eversheds, und welche Rolle spielt dabei die deutsche Praxis?
Ian Gray: Von 2009 bis 2014 haben wir unsere Präsenz in Asien, Nahost und Afrika erweitert. Seit 2014 hat für uns die engere globale Integration Priorität. Frankreich und Deutschland, aber auch Nahost und Asien spielen dabei eine Vorreiterrolle. Globale Panelpositionen zu gewinnen wie erst kürzlich bei Shell – genau das ist es, was wir erreichen wollen, und der Weg dorthin führt über engere Kooperation.

Könnte die Fusion in Deutschland als Blaupause für die weitere Integration in Europa dienen?
Ich würde es eher einen Katalysator nennen. Eversheds Deutschland soll Dreh- und Angelpunkt für engere Zusammenarbeit und koordiniertes Wachstum in Europa werden, in Abstimmung mit unserem Pariser Büro und anderen Jurisdiktionen wie Italien und Polen. Daraus können auch weitere Fusionen folgen, aber nicht zwangsläufig.

Welche Branchen und Fachbereiche werden das Rückgrat dieses europaweit koordinierten Wachstums bilden?
Weltweit steht die Finanzbranche für etwa ein Viertel unseres Umsatzes. Mandanten wie HSBC, Barclays oder Standard Chartered setzen regelmäßig auf uns. Der Finanzsektor ist also definitiv ein wichtiger Teil unserer europäischen Wachstumsstrategie. Zentral sind aber auch Industrie, Technologiebranche und Einzelhandel, um nur einige Beispiele zu nennen, sowie Energie und Rohstoffe. Derzeit begleiten wir zum Beispiel chinesische Staatsunternehmen aus diesen Branchen bei mehreren geplanten Transaktionen in Europa.

Wie soll sich die deutsche Praxis weiterentwickeln?
Nach der Fusion wollen wir natürlich in Deutschland investieren. Im ersten Schritt verstärken wir die bestehenden Standorte. Gerade haben wir drei neue Partner für Corporate und IP in München und Berlin ernannt. Alle drei haben unseren internationalen Partnerauswahlprozess durchlaufen, anders als die deutschen Partner vor der Fusion. Hamburg und Berlin wollen wir zu größerer Schlagkraft ausbauen. Darum sind wir in Gesprächen mit potenziellen Quereinsteigern, und ich freue mich, dass die Fusion offenbar einiges Interesse geweckt hat.

Was wäre der zweite Schritt – zusätzliche Standorte in Deutschland?
Das will ich gar nicht ausschließen. Frankfurt wäre sicherlich eine naheliegende Option für unsere Mandanten aus der Finanzbranche. Andererseits stehen in Deutschland bisher Industriemandanten für uns im Mittelpunkt, wofür Düsseldorf ebenfalls ein attraktiver Standort wäre. In jedem Fall streben wir eine gewisse Balance an: Wir wollen mehr und höherwertige Mandate von Großunternehmen anziehen, aber keinesfalls auf Kosten unserer Verankerung bei Mittelständlern. Schließlich gehört der deutsche Mittelstand zu den interessantesten Mandantengruppen überhaupt.

Das Gespräch führte Norbert Parzinger.

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