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29.06.2016

Interview: „Rödls Strategie entsteht nicht am Reißbrett“

Seit eineinhalb Jahren leitet Dr. José Campos Nave den Rechtsberatungsarm von Rödl & Partner. Mit JUVE sprach er über die Internationalisierung der Kanzlei.

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José Campos Nave

JUVE: Anfang 2015 wurde das Management der Rechtsberatung, das in der Geschäftsleitung bislang bei Prof. Dr. Christian Rödl lag, auf verschiedene Schultern verteilt und damit die oberste Führungsriege geöffnet. Seitdem liegt die Leitung des Bereichs in Ihren Händen. Eine Ihrer ersten Initiativen war seinerzeit, unterhalb Ihrer eigenen Position zwei Führungskreise einzusetzen. Hat sich dieser Schritt bewährt?
Campos Nave: Ja, das hat er. Mit den beiden Führungskreisen – Rechtsberatung Deutschland und Rechtsberatung international – habe ich nicht nur Vertreter aller Rechtsbereiche, sondern auch aller Regionen, in denen Rödl & Partner vertreten ist, in zwei Gremien versammelt. Sie helfen mir, Entscheidungen schneller zu treffen, weil sie das Stimmungsbild innerhalb der Kanzlei widerspiegeln. Zudem unterstützen sie mich als Multiplikatoren, die getroffenen Entscheidungen in ihren Zuständigkeitsbereichen umzusetzen. Dadurch ist die Kanzlei insgesamt noch enger zusammen gewachsen und die Anwälte agieren stärker als weltweites Team. So können auch große Projekte, wie zuletzt die  Einführung unseres neuen Kanzleisystems ,Rockfish‘, wesentlich einfacher umgesetzt werden.

Was versprechen Sie sich von dem neuen System?
,Rockfish‘ macht unsere Anwälte mobiler. Das System ermöglicht ihnen, von jedem Ort der Welt aus, auf ihre Unterlagen zuzugreifen und länderübergreifend zu arbeiten. Dies ist für uns sehr wichtig. Wir sind derzeit in 49 Ländern mit 106 eigenen Niederlassungen präsent und es sollen mehr werden.  

Zuletzt eröffneten Sie in Havanna auf Kuba, im Spätsommer soll der Iran folgen. Was treibt Sie in diese Länder?
Das sind unsere Mandanten. Unsere internationale Strategie entsteht nicht am Reißbrett. Vielmehr folgen wir unseren Mandanten, zu denen vor allem mittelständisch geprägte Weltmarktführer gehören, in neue Regionen. In Märkten mit großem Potenzial versuchen wir ferner, unseren Mandanten einen Schritt voraus zu sein. Wenn wir in einem Land ein Büro eröffnen, streben wir eine umfassende wirtschaftliche und rechtliche Beratung an.

Welche Länder bergen Potenzial für weitere Rödl-Büros?
Katar und die Philippinen. Das sind Länder, in denen sich wirtschaftlich noch viel bewegt. Hier wollen wir noch 2016 oder im ersten Quartal 2017 eröffnen.

Gibt es auch Länder, die an Attraktivität verloren haben?
Wir halten an unseren Auslandsbüros fest. Denn gerade auch, wenn es mal etwas weniger gut läuft, wird unsere Beratung benötigt. Das haben wir in Russland und der Ukraine gespürt. Viele deutsche Kanzleien sind weg, wir bleiben an der Seite unserer Mandanten, und hatten dort 2014 und 2015 sehr erfolgreiche Jahre. Wir lassen uns bei diesen Entscheidungen nicht kurzfristig von Zahlen treiben, sondern denken langfristig und können auch einmal eine Flaute aushalten.

Warum setzen Sie sich diesem finanziellen Risiko aus und kooperieren nicht – wie viele andere mittelständische Kanzleien – mit ausländischen Partnerkanzleien?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Qualität der Rechtsberatung höher ist, wenn wir mit eigenen Büros arbeiten. Wir können von Deutschland aus unmittelbar auf unsere Mitarbeiter im Ausland zugreifen, ihnen Prioritäten setzen und damit schnellere Ergebnisse liefern, wenn es notwendig ist. Diese Möglichkeit hat man in der Zusammenarbeit mit Partnerkanzleien nicht.

Das Gespräch führte Christin Nünemann.

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