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16.06.2016

US-Gehaltsrallye erreicht Deutschland: Willkie und Kirkland preschen vor

Zahlreiche US-Kanzleien erhöhen derzeit die Einstiegsgehälter in ihrem Heimatmarkt. In diesem Zuge legen manche auch in Deutschland eine Schippe drauf: Kirkland & Ellis zahlt nun 125.000 Euro, Willkie Farr & Gallagher führt zum Juli einen Start-up-Zuschuss in Höhe von 15.000 Euro ein – macht unterm Strich 130.000 Euro für einen Berufsanfänger.

Den Zuschuss bekommt ein Berufsanfänger bei Willkie zum Einstieg in die Kanzlei. Damit können nach Kanzleivorstellungen typische Kosten für einen Berufsanfänger gestemmt werden, etwa Umzugs- und Kleidungskosten und die Mietkaution. Die 15.000 Euro müssen nicht zurückgezahlt werden und stocken das Einstiegssalär von Willkie damit auf 130.000 Euro jährlich auf.

In der vergangenen Woche hatte bereits Kirkland & Ellis mitgeteilt, ab sofort 125.000 Euro für die Berufsanfänger zu zahlen und sich damit den Gehaltsentwicklungen in Großbritannien und den USA angepasst.

In den USA hatten Berichten des amerikanischen Branchenmediums ‘Above the Law’ zufolge mehrere US-Kanzleien ihre Einstiegsgehälter deutlich erhöht, nachdem die US-Kanzlei Cravath Swaine & Moore die seit Jahren etablierte Obergrenze von 160.000 Dollar durchbrochen hatte und ihren Berufsanfängern nun 180.000 Dollar (umgerechnet rund 160.000 Euro) zahlt.

Den Berichten zufolge bekommen in den USA unter anderem auch die Einsteiger bei Freshfields Bruckhaus Deringer, Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, Debevoise & Plimpton, Sullivan & Cromwell, Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan, Weil Gotshal & Manges und Milbank Tweed Hadley & McCloy ab jetzt 180.000 Dollar pro Jahr.

Auf JUVE-Nachfrage erklärte Carsten Berrar, Partner bei Sullivan & Cromwell in Frankfurt, die deutsche Praxis werde diesen Schritt nicht mitgehen. “Wir planen zur Zeit nicht, diese Gehaltserhöhung auch auf die Mitarbeiter des Frankfurter Büros zu erstrecken. Diese Entscheidung der Frankfurter Partner hängt mit der Wahrnehmung unserer Sozietät durch unsere Mandanten zusammen.”

Normalerweise zahlt die Kanzlei weltweit einheitliche Einstiegsgehälter. Trotzdem bleibt Sullivan auch in Deutschland der bestzahlende Kanzleiarbeitgeber mit 160.000 Dollar (umgerechnet ca. 142.000 Euro) Fixum jährlich für Associates im ersten Berufsjahr.

Auch die Milbank-Einsteiger werden in Deutschland nicht sofort mehr Geld auf dem Konto finden: Man passe die Gehälter hierzulande nicht automatisch an die US-Entwicklung an, erklärte eine Kanzleisprecherin. Dies erfolge in einem unabhängigen Rhythmus.

Cleary und Weil Gotshal wollten sich zu der Frage, ob die Gehaltssteigerungen auch in Deutschland übernommen werden, nicht äußern.

Zuletzt hatte Hengeler Mueller die Einstiegsgehälter in Deutschland deutlich angehoben. Sie zahlt ab Juli statt 105.000 Euro 120.000 Euro für Berufsanfänger mit LL.M-Titel. Ohne den Titel sind es 110.000 Euro.

Damit zahlen in Deutschland nun vier Kanzleien über 120.000 Euro jährlich: Sullivan, Willkie, Milbank und Kirkland. (Christiane Schiffer)