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15.07.2016

Deutsche Bank: Flick Gocke-Partner Stefan Simon soll in Aufsichtsrat einziehen

Der Nachfolger von Georg Thoma im Aufsichtsrat der Deutschen Bank steht offenbar fest: Es soll der renommierte Gesellschaftsrechtler Prof. Dr. Stefan Simon werden, derzeit Partner bei Flick Gocke Schaumburg in Bonn. Der 46-Jährige wird zum Jahresende aus der Kanzlei austreten, ab sofort aber alle Mandate aus dem Bankensektor nicht weiter bearbeiten.

Stefan Simon

Stefan Simon

Das Amtsgericht Frankfurt hatte der Deutschen Bank nach dem Ausscheiden Georg Thomas bis heute Zeit gegeben, ein neues Mitglied für den Aufsichtsrat zu benennen, ansonsten hätte es dies möglicherweise selbst übernommen. Simon soll vom Großaktionär Katar vorgeschlagen worden sein. Im Mai 2017 wird sich Simon auf der Hauptversammlung zur Wahl stellen. Die Deutsche Bank hat jedoch bereits die gerichtliche Bestellung beim Amtsgericht Frankfurt beantragt, so dass er seinen Posten zeitnah antreten wird.

Für Flick Gocke ist das Ausscheiden ihres anerkanntesten Gesellschaftsrechtlers ein herber Schlag. Simon ist vor allem auch für seine Organberatung im Banksektor bekannt. Ob all diese Mandate innerhalb der Kanzlei übergeleitet werden können, scheint fraglich. Simon beriet zuletzt Banken zu Fragen der Geldwäscheorganisation und in weiteren Fragen der Corporate Governance. Zudem beriet er diverse Aufsichtsräte in Vorstandsangelegenheiten. Dass es bislang keinen Kontakt zwischen ihm und der Deutschen Bank gegeben hat, scheint unwahrscheinlich. Simon ist zudem Honorarprofessor der Kölner Universität.

Der Bonner Jurist stand zuletzt unter Beschuss des Windreich-Gründers Willi Balz, der nach der Insolvenz des Unternehmens schwere Vorwürfe gegen ihn erhob. Wie ein Sprecher von Simon mitteilte, hat die Staatsanwaltschaft Ende März die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens aber abgelehnt.

Die Deutsche Bank musste ein neues Aufsichtsratsmitglied finden, nachdem Georg Thoma (71) Ende April angekündigt hatte, das Gremium zu verlassen. Thoma, of Counsel bei Shearman & Sterling, hatte bis dato den Integritätsausschuss geleitet und war von Aufsichtsratskollegen für diese Arbeit heftig und öffentlich kritisiert worden. (Astrid Jatzkowski)