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21.07.2016

King & Wood: Kanzlei will Finanzspritze von eigenen Partnern

Nach den Plänen der australisch-chinesischen Großkanzlei King & Wood Mallesons sollen ihre Partner in Europa und dem Nahen Osten jeweils zwischen 80.000 und 240.000 britische Pfund zahlen, umgerechnet zwischen 95.000 und 285.000 Euro. Damit soll die Finanzbasis der Sozietät gestärkt werden. Auch die Salary-Partner sollen sich beteiligen und 60.000 Pfund (71.000 Euro) zahlen.

Die Kanzlei wolle sich zu den konkreten Plänen nicht äußern, so das deutsche Management auf JUVE-Nachfrage. Bekannt ist zumindest, dass King & Wood schon vor längerer Zeit Optionen prüfte, ihre Einheit in Europa und dem Nahen Osten, der Nachfolgerin der früheren Kanzlei SJ Berwin, zu rekapitalisieren.

Einlage der Sozietät soll sich verdoppeln

King & Wood war 2013 aus dem Zusammenschluss der chinesischen Top-Kanzlei King & Wood mit der australischen Wettbewerberin Mallesons und der britischen Sozietät SJ Berwin hervorgegangen und ist in fünf Vereinen nach Schweizer Recht organisiert (Australien, China, Europa, Hongkong, Singapur). Im Hinblick auf eine stärkere Integration der verschiedenen Vereine ab 2020 waren auch Möglichkeiten geprüft worden, die Kapitalbasis der neun Büros in Europa und dem Nahen Osten zu stärken.

Vor wenigen Tagen hatten britische Branchenmedien dann darüber berichtet, dass eine sogenannte Rekapitalisierungs-Taskforce unter der Führung des Londoner Private-Equity- und Fondspartners Michael Halford einen konkreten Plan zur Rekapitalisierung erarbeitet hat. Dieser sieht vor, dass jeder Equity-Partner pro Punkt, den er auf der Vergütungsskala hat, rund 4.000 Pfund (4.700 Euro) hinzuschießen soll. Damit würde die bisherige Kapitaleinlage der Kanzlei von 4.000 Pfund für jeden Punkt eines Partners verdoppelt.

Auch Salary-Partner sollen zahlen

Die Kanzlei nutzt dabei eine Skala von 20 bis 60 Punkten, jeder zugeschriebene Punkt entspricht einem Wert von 14.000 Pfund (16.700 Euro) in der Gewinnausschüttung. So kommen Partner am unteren Ende der Skala auf rund 280.000 Pfund (330.000 Euro) Ausschüttung, Partner am oberen Ende auf 840.000 Pfund beziehungsweise knapp eine Million Euro.

Anders als bisher sollen nun auch die Salary-Partner 60.000 Pfund zusteuern. Sie haben bisher keine Einlage geleistet, waren aber auch nicht an den Gewinnausschüttungen beteiligt, sondern erhielten zusätzlich zu ihrer weitgehend fixen Vergütung lediglich Boni. Im Londoner Kanzleimarkt sind Einlagen auch von Salary-Partnern nicht unüblich. KWM stellt den englischen Branchenmedien zufolge sogar eher eine Ausnahme dar, insbesondere nachdem die britische Steuerbehörde 2014 Maßnahmen ergriffen hatte, die höhere Kapitaleinlagen für Nicht-Equity-Partner zur Folge hatten.

Unmut in der deutschen Praxis

Dennoch werfen vor allem die zeitlichen Umstände der Finanzierungsabsichten einige Fragen auf. So herrscht bei King & Wood derzeit ohnehin einige Unruhe. Zum einen hatte die Kanzlei vor einigen Monaten beschlossen, die Partnerzahl in Großbritannien, Europa und im Nahen Osten um 15 Prozent zu reduzieren, hauptsächlich in London und Deutschland. Daneben waren zuvor auch einige umsatzstarke Partner gegangen, vor allem in London. Zudem hatte die Sozietät den britischen Medien zufolge ihren Partnern im März berichtet, den nur noch bis Juli 2016 laufenden Kredit bei Barclays zu verlängern und um 5 auf 25 Millionen Pfund zu erhöhen.

Zuletzt machten auch Berichte die Runde, dass Partner ihre Ausschüttungen und Boni häufiger verspätet erhielten. Eine der Kanzlei nahestehende Quelle bestätigte dies gegenüber JUVE und berichtete über wachsenden Unmut in der deutschen Praxis, in der in den Büros in Frankfurt und München knapp 70 Anwälte arbeiten. Nach JUVE-Recherchen läuft für die Partner bis kommende Woche eine Entscheidungsfrist, danach soll über den Weg zur Rekapitalisierung der Kanzlei in Europa und dem Nahen Osten entschieden werden. (René Bender)