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09.08.2016

Vergütungsssystem: Ashurst lockert ihren Lockstep

Die Partnerschaft der globalen Kanzlei Ashurst hat eine durchgreifende Reform ihres Vergütungssystems gebilligt. Vom recht strengen Lockstep, der bis zu 65 Punkten reichte und sich nur nach der Dauer der Zugehörigkeit richtete, hat sie sich zum August abgekehrt. Während die unterste Equity-Stufe bei 25 Punkten verbleibt, öffnet sich die Vergütungsskala nach oben bis zu 75 Punkten und offeriert obendrein einen Bonuspool für Talente.

Reinhard Eyring

Reinhard Eyring

Bisher hatte das Vergütungssystem bei Ashurst zwei Hürden – oder „Gates“ – im Equity-Lockstep. Stets auf halbem Wege in der 65-Punkt-Leiter durften bislang Partner angehalten werden, wenn sich ihr Geschäft nicht entsprechend entwickelte. Das war allerdings die einzige Eingriffsmöglichkeit des Managements. Jetzt wird die Punkteskala nach oben geöffnet und zudem ein Bonuspool verteilt. Dieses Modell soll es dienstälteren ‚Rainmakers‘ ermöglichen, die Früchte ihrer Akquisefähigkeiten zu ernten, während der Bonus die aufstrebenden Stars von morgen motiviert.

„Schwerpunkt der Überlegungen war, dass wir Leistungsträger stärker belohnen möchten“, sagt Ashursts Senior-Partner Reinhardt Eyring. Auch für Seitensteiger möchte die Kanzlei attraktiver werden, „sowohl in den USA als auch hierzulande. Dies ist eine Fortentwicklung unseres Vergütungssystems, die uns mehr Flexibilität gibt, hohe Leistung zu honorieren.“

Dies dürfte vor allem ein Vorteil bei der Vergütung jüngerer Partner sein „Es ist nicht immer einfach, älteren Partner Punkte wegznehmen, wenn sie weiterhin einen guten Ruf im Markt genießen“, sagt eine andere Ashurst-Quelle. „Das neue System erlaubt jedoch dem Management, erfolgreiche jüngere Partner an der älteren Generation vorbeizuziehen.“

Die Idee für den Bonuspool kommt aus Ashursts australischer Praxis, wo diese Option seit Jahren ein wichtiger Bestandteil des Vergütungssystems war. Im Fokus hat die Kanzlei vor allem die Belohnung der jüngeren Partnergeneration, die damit frühzeitig Anerkennung für überdurchschnittliche Leistungen erhalten könnte. Beschleunigt haben dürfte das Umdenken der Australier Paul Jenkins, der im Frühjahr zum weltweiten Managing-Partner gewählt wurde.

Die Reform ist insbesondere für das Londoner Büro von Ashurst wichtig. Dort hat die Kanzlei etliche Leistungsträger an US-Sozietäten verloren, darunter auch den ehemaligen Senior-Partner Charlie Geffen, der zu Gibson Dunn & Crutcher wechselte. Auch in Deutschland gab es Turbulenzen infolge eines bedeutenden Strategiewechsels im gesamten weltweiten Netzwerk – hin zur Konzentration auf die globalen Schlüsselmandanten.

Während die deutschen Büros von neuen Mandanten aus der Asien-Praxis profitiert haben, verloren sie auch einige Partner an Wettbewerber. Darunter war auch die Gruppe um den ehemaligen deutschen Managing-Partner Peter Junghänel und den früheren Leiter der Finanzierungspraxis, Dr. Stephan Kock. Sie eröffneten im November 2015 ein Büro für Goodwin Procter in Frankfurt und holten weitere Ashurst-Kollegen nach. Zum Juli wechselte zudem mit Dr. Tom Beckhoff der Chef von Ashurst-Finanzierungspraxis zu Noerr. (Aled Griffiths, Sonja Behrens)